Ein Jahr ist vorbei…

Posted on 13. August 2010. Filed under: Indonesien |

Nun bin ich seit zwei Wochen in Deutschland und beginne mich einzuleben. Langsam realisiere ich, dass ich wirklich nicht mehr nach Jakarta zurückkehren werde. Zumindest in nächster Zeit. Zeit deshalb, ein Fazit zu ziehen. Das Jahr in Indonesien war wahnsinnig toll! Ich habe unglaublich viel erlebt und gelernt. Beruflich, kulturell sowie persönlich. Es war ein einmaliges Jahr, das ich nie vergessen werde.

Es war nicht immer einfach. Wenn ich mich jetzt an die Anfänge erinnere, fallen mir die schweren Stunden ohne meinen Mann ein. Gleichzeitig war ich von der Arbeit sehr gefordert und dachte manchmal: wie soll ich das nur schaffen?! Aber ich habe es geschafft! Natürlich. Wäre ja gelacht.😉

Im Büro mit meinen Kollegen

Durch große Herausforderungen entwickelt man sich weiter. In diesem Jahr habe ich sehr viel fürs Leben gelernt. Es war eine völlig fremde Kultur, an die man sich erst einmal gewöhnen musste. Vor allem im Arbeitsleben musste ich mich umstellen. E-mails werden selten beantwortet und man muss den Mitarbeitern ständig hinterher laufen, um Ergebnisse zu bekommen. Auch das Verhältnis zum Vorgesetzten ist anders. Indonesier sind stets höflich, aber Kritik am Chef oder ein offenes Gespräch sind nicht üblich.

Als Controlling Trainee war mein Ziel natürlich, fachlich viel zu lernen. Meine Erwartungen wurden in dieser Hinsicht übertroffen. Ich komme mit mehr Wissen nach Hause, als ich mir erhofft hatte. Ich kann nun sagen, dass ich nun eine volle Controllerin bin. Darauf bin ich sehr stolz. Das Ziel des Trainee-Programms ist somit erfüllt.

Der mächtige Borobudur Tempel

Neben all den Mühen habe ich aber auch einige Urlaube gemacht. Wir sind viel gereist und ich habe ein wunderschönes Land erlebt. Indonesien besitzt so viele Inseln und so viele verschiedene Kulturen, die alle eine Reise wert sind. Von Trauminseln wie Bali und Lombok, den Tempeln Borobudur und Prambanan, über Kulturen wie den Batak auf Sumatra oder den Toraja auf Sulawesi bis zu den atemberaubenden Vulkanen, die überall in den Himmel ragen, hat Indonesien alles zu bieten. Es ist ein faszinierendes Land.

Trauminseln

Trotzdem, Urlaub ist eine Sache, wirklich leben in so einem Land, in so einer Stadt, ist etwas anderes. Jakarta ist ein Moloch und keine moderne, glitzernde Metropole. Smog, Gestank und die allgegenwärtigen Staus reduzieren die Lebensqualität deutlich. Doch man lernt damit zu leben. Man passt sich an und akzeptiert es, da man ja doch nicht anders kann.

An andere, angenehmere Dinge gewöhnt man sich schneller und will sie nicht mehr missen. Mir meinem Trainee-Gehalt konnte ich mir eine volle Haushaltshilfe leisten. Sie erledigte alles vom Waschen, Abspülen, Kochen bis zum Knopf annähen. Auch einen Tennislehrer inklusive Balljungen konnte ich locker zwei Mal die Woche kommen lassen. Das entschädigt für viele andere Nachteile. Inzwischen bügle ich wieder selbst und vermisse meine Paini sehr😉

Letztendlich muss man sagen, dass es schwer zu vergleichen ist, wo man besser lebt. Ich war sehr glücklich mit dem dauerhaft warmen Wetter und der Sonne. Ich werde Indonesien sehr vermissen, wenn bei uns der Winter anbricht. Was mich aber gestört hat, waren die vielen Menschen überall. Man war nie allein und wurde als Ausländer natürlich immer angestarrt. Man lernt damit umzugehen, aber es nervt doch auf Dauer. Auch an die Unzuverlässigkeit wollte ich mich nicht dauerhaft gewöhnen. Besonders beruflich bin ich eine andere Arbeitsweise gewohnt. Man passt sich natürlich an und weiß wie man wichtige Dinge planen muss. Allerdings finde ich es eine unglaubliche Zeitverschwendung, wenn man die Menschen immer wieder an Termine erinnern muss und Aufgaben mehrfach nachgearbeitet werden müssen. Es ist einfach uneffizient. Momentan kann Indonesien das noch ausgleichen durch niedrige Löhne. Bei uns muss man deutlich mehr auf die Personalkosten achten. Wir haben schon einen recht hohen Lebensstandarderreicht. Indonesien dagegen wächst sehr stark von Jahr zu Jahr. Es war unglaublich interessant, in so einem Land zu leben. Zu sehen, wie sich der Lebensstandard für die Menschen verbessert. Noch ist nicht alles gut. Indonesien kann man mit Europa vor ein paar Jahrzehnten vergleichen. Doch ich bin sicher, sie werden unser Level in einer deutlich kürzeren Zeit erreichen.

Ich bin gespannt, eines Tages wieder nach Jakarta zurückzukehren und zu sehen, was sich getan hat. Ich werde dieses Jahr nie vergessen!

Abschiedsfoto der Abteilung

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Eine Antwort to “Ein Jahr ist vorbei…”

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Schönes Fazit. Genau so etwas sollte dabei ja herauskommen. Da haben Merck und Du aber Glück gehabt, dass alles so geklappt hat.


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