Tana Toraja 3 – Felsengräber und Grüfte

Posted on 10. Juni 2010. Filed under: Ausflüge |

Die Toraja sind Christen, deshalb werden ihre Toten auch in Särgen begraben. Allerdings gibt es bei ihnen keine „normalen“ Friedhöfe. Es gibt mehrere Möglichkeiten für ein Toraja Grab.

Einfacher Schrein der die Särge einer Familie enthält

Das einfachste heutzutage ist ein Haus, das aus einem großen Betonsarg besteht. Es gibt auch kleine Schreine in denen die Särge aufbewahrt werden. Die traditionellen Gräber sind allerdings deutlich spektakulärer.

Ein runder Betonsarg dient als Grab

Das Hochland ist felsig. Es gibt große Felswände und einzelne Findlinge die in der Landschaft liegen. In beide werden Nischen gehauen, um die Toten zur letzten Ruhe zu betten. In die kleineren Steine werden oft nur 1-2 Kammern geschlagen. Ein Grab dient dabei einer Familie bis es voll ist. Von außen wird es mit ein paar Gaben, einem Kreuz und einem Bild geschmückt. Die Felsen sind aus Lavastein und sehr hart. Es dauert lange bis es fertig ist. Da die Toraja gerne sicher gehen wollen, dass ihr Grab schön ist, wird es schon zu Lebzeiten fertig gestellt. Man bereitet sich auf den Tod vor. Er scheint ihre ganze Kultur zu bestimmen.

Grabfelsen inmitten von Reisfeldern

Gräber im Felsen

Einzelnes Grab im Vulkanfels

Die großen Felswände sind etwas weicher, da sie oft kalkhaltig sind. Manchmal gibt es natürliche Nischen, manchmal werden Röhren in den Fels gegraben. Dort werden dann die Särge hineingelegt. Ein einfacherer Weg ist, die Särge einfach auf Balken an den Fels zu hängen. Draußen vor den Grabnischen werden von wohlhabenden Familien Tau-Tau Figuren angebracht. Sie sind ein besonders alter Brauch. Diese fast lebensgroßen Puppen sind ein Treffpunkt der verstorbenen Seelen und sollen die lebenden Nachfahren beschützen. Sie werden aus Holz hergestellt und vollständig eingekleidet mit Sarong und Schmuck. Alle paar Jahre bekommen sie in einer feierlichen Zeremonie neue Kleidung. Sie sind ein ungewöhnlicher Anblick, wenn sie von den Felswänden herunterblicken. Die ersten Kolonisten auf Sulawesi waren sehr erschrocken. Die Christen verboten sie zuerst. Inzwischen werden sie von speziellen Künstlern wieder hergestellt. Leider fielen vielen den Souvenirjägern zum Opfer und landeten in europäischen Museen. Inzwischen werden sie durch Gitter vor Raub geschützt.

Gräber in einer Felswand mit Tau-Taus

Tau-Tau Puppen

Besonders schöne Tau-Taus

Wenn Babys sterben werden sie typischerweise einem Baum übergeben. Es gibt besondere Bäume in deren Stamm ein kleines Loch ausgehöhlt wird, in das dann die Leiche des Babys gelegt wird. Danach wird es verschlossen. Nach ein paar Jahren wächst das Loch wieder zusammen und das Baby wird sozusagen verschluckt.

Baum in dem Babys begraben werden

Eine andere Variante die Toten zu begraben sind natürliche Karsthöhlen die das Wasser ausgeschwemmt hat. Dort werden die Särge einfach aufeinander gestapelt. Es ist ein bizarrer Anblick. Da die Särge aus Holz sind, zerbrechen sie mit der Zeit. Die Knochen fallen dann heraus. Wenn die Särge an der Felswand aufgehängt waren, fallen sie viele Meter tief. Unten werden die Knochen einfach zusammen geräumt und aufgehäuft. Die Schädel werden oft noch in Nischen aufgereiht, aber ansonsten vermischen sich die Knochen der Generationen. Für uns ist das sehr gewöhnungsbedürftig. Ich habe noch nie menschliche Knochen so nah gesehen, geschweige denn berührt. An einem der Schädel war sogar noch Fleisch. Sehr gruselig. Eine der Höhlen war besonders unheimlich. Sie erstreckte sich ein paar Meter in den Fels und war stockfinster. Die Särge, erleuchtet nur vom Schein der Lampe, erinnerten ein bisschen an Horrorfilme. Der deutsche Umgang mit den Toten ist physisch relativ distanziert. Uns erscheint es ja schon bizarr, wenn in den USA zum Beispiel der offene Sarg aufgebahrt wird und jeder im Angesicht des Toten Abschied nimmt.

Alte Särge die an den Fels gehängt sind

Gestapelte Schädel

Sarg mit Büffelkopf und Knochen mehrerer Familienmitglieder

Zwischen den Särgen und Knochen liegt auch noch allerlei anderes herum. Was uns zuerst als Müll erschien, sind in Wahrheit Grabbeigaben. Dinge die der Verstorbene im Leben gern hatte werden ihm zum Grab gebracht, damit die Seele sich freut. Die Toraja glauben fest an ein Leben nach dem Tod.

Särge in einer Höhle

Grabbeigaben für die Toten

Hier vermischen sich die Generationen...

Damit endete unser Besuch im Hochland der Toraja. Es war außergewöhnlich. Diese Kultur kennen zu lernen, war unglaublich interessant. Durch die wunderschöne Landschaft zu fahren, war toll. Ich kann es jedem empfehlen, der ein wenig Abenteuer sucht und eine besondere Seite von Indonesien sehen möchte.

Endlose Reisterrassen

Make a Comment

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Liked it here?
Why not try sites on the blogroll...

%d Bloggern gefällt das: