Tana Toraja 2 – Tod und Bestattungsfeierlichkeiten

Posted on 8. Juni 2010. Filed under: Ausflüge |

Wenn ein Mitglied einer Toraja Familie stirbt, wir es nicht sofort begraben sondern in Tücher eingewickelt und im Schlafzimmer behalten. Ein Begräbnis bei den Toraja ist äußerst teuer. Man muss ein großes Fest für das gesamte Dorf halten, bei dem, je nach gesellschaftlichem Stand, bis zu Hunderte Wasserbüffel geopfert werden müssen. Wenn die Familie das Geld nicht sofort hat, muss der Tote im Haus aufbewahrt werden. Auch wenn es 10 Jahre werden. Damit die Toten nicht riechen, werden sie mit Paraffin gespritzt und immer wieder mit neuen Tüchern eingewickelt, um die Flüssigkeiten aufzusaugen. Letztendlich mumifizieren die Toten. Klingt unglaublich. Die Toraja glauben, dass die Seele des Mensche weiter im Haus lebt, solange sie nicht richtig beerdigt wird. Aus diesem Grund hat sich der bizarre Brauch entwickelt, die Leiche im Schlafzimmer zu behalten. Die Ehefrau schläft noch jahrelang neben ihrem toten Mann. Stirbt dagegen die Frau, schlafen der Mann und Kinder nicht mehr im Schlafzimmer. Es ist für die Toten reserviert.

Alte Toraja Häuser

Die Bestattung ist ebenso spektakulär. Für die Zeremonie wird eigens ein kleines Dorf errichtet, um die Gäste unterzubringen. Aus Bambus werden Unterstände zwischen die Häuser auf dem Dorfplatz gebaut. Für den Toten wird ebenfalls ein großer, geschmückter Stand gebaut, auf dem der Sarg dann aufgebahrt wird. Dieses kleine Dorf muss im Rahmen der Feierlichkeiten am Ende auch wieder abgebaut werden, um die Zeremonie zu beenden.

Neu aufgestelltes Haus um den Toten im Dorf aufzubahren

Wir hatten das Glück eine dieser Bestattungen mitzuerleben. Gegen ein Geschenk dürfen auch Außenstehende teilnehmen. Unser Guide wusste Bescheid und riet uns das übliche Geschenk, eine Stange Zigaretten, zu kaufen. Wir wurden daraufhin den Eltern eines Mannes vorgestellt, der an Krebs verstorben war. Wir bekamen Tee und ein typisches Gebäck mit Sesam. Erst war es uns etwas unangenehm, weil wir nicht stören wollten. Allerdings hatten wir zum Schluss den Eindruck, dass wir durchaus willkommen waren. Tatsächlich waren einige Touristen da, die alle Zigaretten mitbrachten. Sie sind wohl eine gute Einnahmequelle. Die Eltern haben sicher um ihren Sohn getrauert, trotzdem haben sie auch an ihre jetzige Situation gedacht und die Zigaretten gerne genommen. Die meisten Indonesier sind einfach pragmatisch. Zigaretten sind teuer und jeder raucht. Also kann man sich damit gut von den reichen Touristen bezahlen lassen.

Sarg des Toten bei der Beerdigung

Das Fest geht über mehrere Tage. Die Stimmung war nicht wirklich traurig. Es lag vielleicht daran, dass der Verstorbene schon länger tot war. Im Rahmen der Feierlichkeiten werden oft Hahnenkämpfe veranstaltet, obwohl sie offiziell verboten sind. In Anbetracht der Begeisterung der Männer, waren ihnen die Kämpfe wohl wichtiger als die Bestattung. Es wurde auch wild gewettet. Einen der Hahnenkämpfe haben wir auch mitbekommen und ich war tief schockiert. Es ist brutal und tödlich für den Verlierer. Die Männer hier sind zudem auf die schwachsinnige Idee gekommen, den Hähnen ein scharfes Messer an die Krallen zu binden. Dadurch ist der Kampf schnell vorbei, denn einer der Hähne wird mit Sicherheit schwer verwundet. Auch wie die Tiere vorher scharf gemacht werden, will ich gar nicht hier beschreiben. Es ist nicht umsonst verboten. Ich hoffe das wird in Zukunft besser durchgesetzt.

Hahnenkampf

Höhepunkt der Bestattung ist die Opferung von Tieren. Je vermögender die Familie, desto mehr Wasserbüffel. Bei niedrigeren Gesellschaftsklassen tut es auch ein Schwein. Ihnen wird die Kehle aufgeschnitten, dadurch verbluten sie schnell. Danach werden die Tiere zerkleinert und unter den Gästen verteilt. Aus unserer Sicht ein weiteres grausames Spektakel. Allerdings ging es früher bei uns auf den Bauernhöfen auch so zu. Die Toraja leben noch mit ihren alten Ritualen und haben von der modernen Welt nur die Annehmlichkeiten wie Strom und Plastik angenommen. Unsere moralischen Werte die Tierquälerei verbieten sind noch nicht angekommen. Es wird sich aber sicherlich auch eines Tages ändern.

Schwein das zum Opfern bereit liegt

Zuvor wurde in der Mitte des Platzes das Mittagessen auf traditionelle Art zubereitet. Auf Sulawesi wächst wie überall der Bambus. Die Toraja nutzen den Bambus nicht nur zum Bauen, sondern auch zum Kochen. Da die Toraja Christen sind, kommt jede Sorte Fleisch auf den Tisch. Hünchen, Schwein oder Rind wird mit einer Gewürzmischung mehrere Stunden in einem Bambusrohr über dem offenen Feuer gegart. Wir haben es auch probiert und waren begeistert vom Geschmack. Dazu gibt es roten Reis, der etwas stärker schmeckt als der weiße. Eine andere typische Art Fleisch zuzubereiten ist das Kochen mit einer lokalen Frucht, die fast schwarz wird wenn sie trocknet. Der Geschmack ist ebenfalls ausgezeichnet!

Bambus gefüllt mit Fleisch wird über dem Feuer zubereitet

Typische Toraja Gerichte

Nach den Feierlichkeiten wird der Sarg in einer Prozession zum Grab gebracht. Die Tragekonstruktion besitzt auch ein kleines Torajadach. Die Art der Gräber ist spektakulär. Mehr dazu im nächsten Blog.

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