Tana Toraja 1 – Hochland, Reisfelder und Satteldächer

Posted on 6. Juni 2010. Filed under: Ausflüge |

Indonesien ist wahnsinnig groß und vielfältig. Eine der besonders interessanten Kulturen ist die der Toraja. Sie pflegen einen außergewöhnlichen Totenkult. Zu finden ist dieser Volksstamm auf Sulawesi. Die Insel gehört zu den großen Inseln Indonesiens und hat eine eigenartige Form. Sie erinnert an eine Orchidee oder Krake. Früher hieß sie Celebes. Die größte Stadt der Insel befindet sich im Süden und heißt heute wieder Makassar. Wegen eines ehemaligen kolonialem Fort war sie von 1971 bis 1999 unter dem Namen Unjung Pandang bekannt. Ich weiß nicht warum einige Inseln und Städte hier immer wieder umbenannt wurden?

Uferpromenade von Makassar

Die Toraja leben im Zentrum der Insel. Der Flughafen dort ist zu klein für ordentliche Airlines, deshalb sind wir mal wieder mit dem Auto unterwegs gewesen. Gestartet sind wir in Makassar, was typisch indonesisch ist und einen Containerhafen besitzt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite findet man sogar die üblichen Etablissements für einsame Matrosen. Wie das mit dem Islam zusammen passt weiß ich nicht… Es gibt auch noch ein altes Fort aus der Kolonialzeit. Ansonsten hat die Stadt herzlich wenig zu bieten. Wir haben uns deshalb bald auf den Weg in das Hochland der Toraja gemacht.

Reisfelder im Süden Sulawesis

Acht Stunden waren angesetzt um Zentralsulawesi zu erreichen. Es war eine sehr gemütliche und schöne Fahrt auf der wir viel gesehen haben. Teilweise gibt es schon 4-spurige, betonierte Abschnitte, teils aber auch wieder mal metertiefe Schlaglöcher. Das Prinzip hier ist ähnlich wie in den USA. Die Strassen sind schnurgerade und die Menschen bauen ihre Häuser dorthin wo die Straße ist. Runde Dörfer wie bei uns gibt es kaum. So reihten sich entlang der Strasse etliche Fischerhütten auf. Sie züchteten alle Fische in den angrenzenden Teichen. Später wurden sie von Reisbauern abgelöst.

Schlaglöcher wie immer...

Noch eine andere Variante der motorisierten Rikscha

Die Fischzüchter stellen traditionell ihre Häuser auf Pfähle. Manche von ihnen auch gleich mitten in ihren Fischteich mit einer kleinen Brücke zur Strasse. Auch die Reisbauern im Süden von Sulawesi bauen in der selben Art, denn der Boden ist recht feucht. Die Häuser sind simpel und nur leicht verziert. Ganz anders als die Häuser der Toraja, die wir später sahen. Auch die Strassen im Land durch die Berge führten abenteuerlich quer durch den Dschungel.

Fischerhaus

Einen Vorteil bot die neu betonierte Strasse den Reisbauern im Süden aber. Sie nutzten sie um ihren Reis auf großen Planen in der Sonne zu trocknen. Am Nachmittag füllten sie ihn dann in Säcke und fuhren sie, teils mit dem Fahrrad, zum nächsten LKW, der sie in die Stadt brachte. In dieser Gegend war der Reisanbau schon sehr industrialisiert. Bei den Toraja war es etwas traditioneller.

Reis der zum Trocknen ausgelegt wurde

Nach sechs Stunden erreichten wir Pare-Pare am Fuß des Gebirges der Toraja. Aus unserer Sicht waren wir nun weit weg im Niemandsland. Während unseres kurzen Mittagessens gesellte sich aber plötzlich ein Bus Italiener dazu. Unglaublich. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir ihnen begegnen sollten.

Eingangstor zum Hochland der Toraja

Der Eingang in das Hochland der Toraja ist die Stadt Makale. Im Norden befindet sich die zweite große Stadt, Rantepao, wo wir schliefen. Auf Sulawesi gibt es viele Kulturen, aber nur die Toraja haben es zu weltweiter Bekanntheit gebracht. Auch wenn sie schwer zu erreichen sind, haben einige italienische, französische und niederländische Reiseunternehmen eine Tour im Angebot. Dementsprechend gab es auch ein paar gehobenere Unterkünfte. Nach einem Blick auf unsere einfache, vorgebuchte Bleibe wechselten wir auch lieber in das ehemalige Novotel (jetzt Toraja Heritage). Wir waren völlig überrascht vom Standard und der Qualität des Essen. Wir konnten sogar in einem nachgebauten Toraja Haus schlafen. Fast alle Gäste waren weiß, unter ihnen auch der Bus Italiener. So viele Touristen hatten wir bei weitem nicht erwartet.

Mit Reishut vor unseren Toraja Bungalows

Was macht denn nun die Toraja so besonders, dass sich so viele Menschen auf den anstrengenden Weg dorthin machen? Es ist ihre Architektur und die außergewöhnliche Art ihre Toten zu begraben.

Dorf in den Reisfeldern

Schon von weitem sind die markanten Dächer der Tongkonan Häuser zu erkennen. Sie erinnern an einen Sattel. Getragen werden die Konstruktionen von mehreren Balken. Heute werden auch oft Betonsäulen verwendet. Bei den Reispeichern ist die unterste Ebene eine offene Fläche zum sitzen und arbeiten. Darüber folgt der eigentliche Raum in dem der Reis gelagert wird. Die Häuser besitzen stattdessen einen großen Raum, der in nur zwei Zimmer unterteilt ist. Das Dach ragt an den Giebeln steil nach oben und wird traditionell aus Palmblättern und Bambus gebaut. In dem tropischen Klima, hält es leider nur ein paar Jahre bevor es wieder erneuert werden muss. Den modernen Toraja ist das zu aufwendig, deshalb benutzen sie Wellblech. Es gibt auch Dächer mit Ziegeln. Das Rot zwischen den grünen Reisfeldern ist ein toller Anblick, wenn auch nicht traditionell. Die alten Palmdächer verstecken sich besser in der Landschaft.

Drei verschiedene Dächer

Das Hochland in dem die Toraja leben ist wunderschön. Es ist die schönste Gegend, die ich in Indonesien gesehen habe. Es wird eingerahmt von mächtigen Bergen, deren Hänge von Dschungel und endlosen Reisfeldern bedeckt sind. Wir waren in der Regenzeit dort und erlebten die Reisfelder in vollem grün. Eine wirklich bezaubernde Landschaft!

Blick ins Hochland der Toraja

Im Land der Toraja

Nachdem der Reis geerntet und getrocknet wird, bringt man ihn in die Reisspeicher. Doch warum bauen die Menschen hier so aufwendige Häuser und Reisspeicher? Ich vermutet, dass es immer schon ein sehr fruchtbares Land war und deshalb Zeit übrig blieb für eine aufwendige Architektur. Heutzutage behalten sie es vielleicht auch ein bisschen bei wegen den Touristen. Man sieht in der Tat aber nur wenige normale Häuser. In den zwei Städten ist das anders, aber auf dem Land wo die Mehrheit lebt hat aber jedes Dorf mehrere Reisspeicher, die auf einem zentralen Platz aufgereiht sind.

Haus einer einflussreichen Adelsfamilie

Bau von neuen Tongkonan

Zusätzlich zu diesen Dächern werden die Häuser auch hübsch bemalt. Bei den Toraja gibt es drei Gesellschaftsklassen. Adelige, bürgerliche und Sklaven. Sie existieren heute immer noch und bestimmen das Leben. Zwischen der höchsten und der niedrigsten Klasse kann nicht geheiratet werden, deshalb müssen solche Paar die Insel verlassen, wenn sie sich für ein gemeinsames Leben entscheiden. Die Häuser der Sklaven werden nicht bemalt. Die der höheren Klassen dafür in rot, gelb, weiß und schwarz. Typische Motive sind stilisierte Wasserbüffel. Unter dem Giebel wird die Schöpfungsscheibe dargestellt. Darüber zwei Hähne, die den Tag verkünden.

Betonsäulen die bemalt wurden

Traditionelle Verzierung eines Reisspeichers

Auf dem Land lebt man noch nach der Sonne und dem Weckruf der Hähne. Die Tiere haben einen festen Platz in der Kultur. Wasserbüffel gehören zu den wichtigsten. Ihre Hörner werden vor den Häusern aufgehängt und zeigen den Reichtum einer Familie. Um die Reisfelder zu bewirtschaften, war der Büffel der stärkste Helfer. Heut übernehmen das oft Maschinen. Trotzdem besitzen die Familien alle einen Büffel. Große Herden wie bei uns findet man dort nicht. Stattdessen führen die Menschen ihre Büffel zum Grasen am Straßenrand entlang oder binden ihn an einem Schlammloch an. Die Schlammkruste schützt sie vor Insekten und Sonne. Später bekommt er dann ein Bad. Das kühlt ab.

Wasserbüffel beim Baden

Moderner Pflug mit Dieselmoter vor einem Reisspeicher

Ein normaler Büffel ist grau. Es gibt aber auch Albinos mit blauen Augen. Diese sind besonders wertvoll. Die Symmetrie der Flecken bestimmt den Preis, der viele Hundert Millionen Rupiah erreichen kann. Da man die Büffel auch kämpfen lässt, binden ihre Besitzer ihnen den Kopf viele Stunden täglich nach oben. Dadurch sollen ihre Genickmuskeln stärker werden. Was sie leider nicht beachten ist, dass die armen Tiere leiden, vor allem wenn sie in der Sonne stehen müssen. Die Albinos bekommen genauso einen Sonnenbrand wie wir Menschen. Es ist wohl noch ein Überbleibsel der alten Kultur, die die modernen Moralvorstellungen von Tierschutz nicht kennt.

Besonders wertvoller Albino

Ein anderes Vermächtnis sind die Steinkreise der Megalith-Kultur. Auch auf Sulawesi kann man ihre Steinsäulen noch sehen. Ein paar der Toraja pflegen die alten Traditionen noch und stellen neue Steine für die Toten auf. 

Megalith Steinkreis

Die meisten Toraja sind während der Kolonialisierung zum Christentum konvertiert. Allerdings haben sie ihre alten Rituale beibehalten und mit der neuen Religion vermischt. Von ihren Bestattungsritualen und Grabstätten berichte ich euch im nächsten Blog.

In den Reisfeldern

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Zu den wechselnden Namen: wo arbeitest Du? Batavia vielleicht?

Uli


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