Ich bin Millionär!

Posted on 29. Mai 2010. Filed under: Indonesien |

Nun bin ich endlich Millionär! Wie habe ich das nur so schnell geschafft werdet ihr euch fragen?! Ganz einfach, Indonesien besitzt ein paar Nullen mehr in seiner Währung. Schade, doch kein Euro-Millionär. Noch nicht😉

Die Indonesische Währung heißt indonesische Rupiah mit dem Kürzel IDR. Der Kurs lag in letzter Zeit um die 12.500 EUR / IDR. Für einen Euro bekommt man also 12.500 Rupiah. Letztes Jahr waren es noch fast 15.000 als der Euro stark war. Jetzt durch die Krise und Griechenland ist der Kurs bis 11.000 gefallen.

Das allgemein hohe Niveau hat die Währung durch die häufigen Inflationsphasen und vor allem durch die Asien Krise Ende der Neuziger erreicht. Seitdem ist sie relativ stabil, aber noch lange keine Wahrung, in der die Menschen gerne ihr Geld anlegen. In Indonesien hat es sich eingebürgert, gewisse Transaktionen in US Dollar abzuwickeln. Büro- und Wohnungsmieten sind typischerweise in USD festgelegt. Allerdings hat der Dollar die letzten Jahre auch verloren. Als Deutsche, die in Euro rechnet war es bis vor kurzem deshalb sehr günstig hier.

Die drei Nullen der Rupiah erinnern an die italienische Lira, die auch ein paar Stellen zu viel hatte. Aus diesem Grund gibt es in der indonesischen Währung keine Nachkommastellen. Also keine Cents wie bei uns. Einst gab es sie, aber nach den großen Inflationsphasen wurden sie abgeschafft und stattdessen immer größere Scheine ausgegeben.

Eine Rupiah existiert auch gar nicht als Münze. Die kleinste Münze ist 100 Rupiah wert, umgerechnet weniger als 1 Cent. Die größte Münze ist nur 1.000 Rupiah wert. Immerhin fast ein Euro. Anzutreffen ist sie aber selten. Meist gibt es 500 Rupiah Münzen. Es gibt alte, schwere und neue, leichte Münzen. Beliebt sind sie alle nicht. Indonesisches Geld besteht aus Papier. Das macht den Geldbeutel leichter. Leider aber auch unglaublich dick!

Angefangen bei 1.000 Rupiah (8 Cent) gibt es Scheine bis 100.000 Rupiah. Der größte Schein ist also nur 8 Euro wert! Es ist noch gar nicht lange her, dass der Schein aufgesetzt wurde. Durch die Inflation mussten immer größere Scheine gedruckt werden. Bisher hat man sich noch nicht zu größeren Scheinen wie 500.000 Rupiah (40 Euro) entschlossen. Es wäre aber sinnvoll.

Rupiah Scheine

Aus den Scheingrößen lässt sich aber auch der Lebensstandart hier ableiten. Das tägliche Leben ist nicht teuer. Es gibt unglaublich viele kleine Scheine. 2.000 Rp. zahlt man dem Parkplatzhelfer. 7.000 Rp. will die Mautstrasse. Der korrupte Polizist nimmt 50.000 Rp. für nicht begangene Vergehen. Mein Taxi in die Arbeit kostet 35.000 Rp. Eine Busfahrt dagegen nur 5.000 Rp. Der Liter Benzin kostet um die 6.000 Rp. Eine kleine Flasche Wasser 4.000 Rp. Die großen 100.000 Rp. Scheine lassen sich deshalb oft nur schwer wechseln. Selbstverständlich haben Taxifahrer meist kein Wechselgeld, damit das Trinkgeld größer ausfällt😉

Natürlich gibt es auch Bereiche in denen man mehr Geld ausgibt. Grosse Einkäufe im Supermarkt. Meine Haushaltshilfe. Ein gutes Restaurant. Lustig ist es wenn man zur Bank geht und Geld abhebt. Der Standard am Automat ist 1 Mio Rp. Also 80 Euro. Statt wie in Deutschland drei bis fünf Scheine zu bekommen sind es hier 20 Scheine a 50.000 Rp. Ein paar Automaten geben auch 100.000 Rp. Scheine aus. Jedoch niemals kleine Scheine. Sammelt man ein bisschen Kleingeld, ist der Geldbeutel schnell dick, aber man ist immer noch nicht reich. Wenn man an den Bankschalter geht, sieht man manchmal Menschen, die Taschen mit dicken Bündeln Geld einzahlen oder abheben. Es ist wie im Gangsterfilm. Auch ich habe schon große Kuverts voller 50.000 Rp. Scheine bekommen, als ich Geld gewechselt habe. Es ist unvorstellbar, dass für so viel Geld hier, in Deutschland ein einziger 500 Euro Schein existiert. Man könnte hier also ruhig noch einen größeren Schein einführen.

Im Gegensatz zu Deutschland werden hier aber alle Scheine benutzt. Bei uns kann man ab 200 Euro Scheinen schon nicht mehr an der Tankstelle bezahlen. In Indonesien hat man eher in der Buchhaltung das Problem mit den großen Zahlen. Bei einer Firma wie Merck werden die Umsätze natürlich in Billionen gerechnet. Die langen Zahlenkolonnen verschwimmen leicht vor den Augen. Verwirrend wird es auch, wenn unklar ist, ob abgekürzt in Mio Rp. oder in Tausend Rp. angezeigt wird. Bei so großen Zahlen sind wir sogar einmal an die Grenze der Feldlänge im Gauss-System gestoßen.

Indonesischer Taschenrechner mit drei Nulltasten

Während bei uns manchmal diskutiert wird, ob es 1 oder 2 Cent Münzen überhaupt geben soll, wurde 2009 in Indonesien ein neuer Schein eingeführt! 2.000 Rp., sprich 1,6 Cent. Ich fand es gut. Statt den vielen 1.000 Rp. muss ich jetzt nur halb so viele 2.000 Rp. Schein mitnehmen. Mein Geldbeutel schrumpft. Auch sind die Scheine neu und deshalb noch richtig sauber. Ursprünglich sollten sie die 1.000 Rp. Scheine ablösen. Diese bleiben aber nun doch im Umlauf. Hier sind die Scheine viel und überall im Umlauf. Manche sehen aus, als hätten sie eine Weltreise hinter sich.

Die Lösung, die viele Indonesier angenommen haben, ist natürlich die Kreditkarte. Sie ist so beliebt, dass jeder gleich mehrere besitzt. Das hat auch andere Gründe. Einmal hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit meinem Sprachlehrer. Er gestand mir, dass er viele Kreditkarten besitzt, auch wenn er nicht alle benutzt. Wie ist er dazu gekommen? In Indonesien ist es noch üblich, über das Telefon zu verkaufen. Also gibt es fleißige Mitarbeiter, die den ganzen Tag die gute Kunden anderer Firmen anrufen und ihnen eine Kreditkarte ihrer Bank aufschwatzen. Die Menschen auf Java sind äußerst höflich, also geben sie schließlich nach bei Argumenten wie: “Oh bitte, es ist doch kostenlos für Sie. Ich habe Kinder, die zur Schule müssen, ich brauche die Provision!” So ist mein Lehrer an seine vielen Kreditkarten gekommen. Er konnte nicht nein sagen. Die Karten sind das erst Jahr meist gebührenfrei, danach kündigt er sie mühsam wieder. Und wie sind die fleißigen Mitarbeiter überhaupt an seine Telefonnummer gekommen? Die Angestellten seiner Bank verkaufen einfach die Daten ihrer besonders guten Kunden, um ihrerseits ihr Gehalt aufzubessern. In Deutschland unfassbar! Man erinnere sich nur an die etlichen Datenskandale großer Firmen in letzter Zeit.

Interessant ist hier auch, dass die Kreditkarten nicht automatisch jeden Monat vom Konto abgebucht werden. Man muss die Rechnung selbst bezahlen. Wäre ja frech, wenn die Bank das einfach einzieht ohne zu fragen! Viele Leute haben nämlich nicht immer Geld auf ihrem Konto. Deshalb bekommen sie erst die Rechnung und zahlen dann irgendwann einmal. Bei so vielen Konten und Kreditkarten verliert man auch schnell den Überblick. Viele Indonesier laufen genauso in die Kreditkartenfalle wie bei uns. Vielleicht sind es sogar mehr, denn die Indonesier sind deutlich chaotischer als wir ordentlichen Deutschen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Regierung hier auch Gesetze zum Schutz der Menschen vor sich selbst erlassen muss. Auch das Telefonmarketing ist nervig. Gut aber, wenn man plötzlich kein Wort Indonesisch spricht😉

Ich komme gut mit meinem Geld hier aus. Wenn man ein deutsches Gehalt bekommt, ist man hier unter den Großverdienern. Auch wenn ich noch kein Euro Millionär bin, darf ich mich schon einmal reich fühlen😉

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2 Antworten to “Ich bin Millionär!”

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Naja die Scheine sind zwar nervig, aber doch nicht so schlimm wie die superschweren Münzen in Europa.

Ja, da hast du Recht. Das Gewicht macht sehr viel aus, finde ich. In den USA gibt es ja auch 1 Dollar Scheine.
Das schoene hier ist, dass alle Scheine gleich gross sind. Die unterschiedlichen Groessen finde ich beim Euro recht unpraktisch.


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