TMII – Disneyland in Jakarta

Posted on 8. Mai 2010. Filed under: Ausflüge, Indonesien |

Siti Hartinah, die Frau von Präsident Suharto, war so begeistert vom Disneyland, das 1971 in Orlando eröffnet wurde, dass sie ebenfalls einen Freizeitpark in Jakarta baute: Taman Mini Indonesia Indah (Park Mini Indonesia schön). Präsidenten bauen Statuen und Denkmähler zu Ehren der Nation, Präsidentengattinnen haben schon immer etwas sozialeres gemacht.

Blick über Indonesien: unter uns Borneo, rechts Sumatra, links Java

„Mutter Tien“ wie sie liebevoll genannt wird hat den Schwerpunkt des 100 Hektar großen Parks auf die verschiedenen Kulturen Indonesiens gelegt. Ich finde die Idee sehr gelungen. Indonesiens Inseln besitzen so viele Ethnien mit unterschiedlichen Traditionen und Sprachen, dass sie sich gegenseitig kaum kennen. In diesem Park kann man die verschiedenen Kulturen kennen lernen. Der Park ist allerdings auf festgelegte Regionen beschränkt. Innerhalb dieser Regionen gibt es wiederum unzählige Ethnien, die sich aber auf eine einigen müssen, die die Region repräsentiert. Für Indonesien ist diese Vielzahl an Volksstämmen zusammen zu halten manchmal ein Problem. Hin und wieder meldet eine Minderheit sich zu Wort oder eine Region will sich abspalten. In der Geschichte Indonesiens gibt es ein paar Kontroversen, aber bis heute haben sie es ganz gut geschafft. Besonders für Touristen ist TMII eine tolle Gelegenheit, denn alle Inseln kann man schlecht besuchen. Leider steht der Park wohl in kaum einem Reiseführer, da wir die einzigen Weißen waren.

Eingang nach Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo

Den TMII kann man – wie auch sonst in Indonesien – mit dem Auto, Minibus oder Roller durchfahren. Wer keinen hat, kann mit einer Seilbahn ans andere Ende fahren, eine Hochschienenbahn besteigen oder eine kleine Bimmelbahn benutzen. Hin und wieder haben wir sogar ein Fahrrad gesehen. Und wer ganz fit ist, kann sogar zu Fuß gehen! Dazu muss man allerdings weiße Hautfarbe haben, scheint mir…😉 Der Durchschnittsindonesier ist ein bisschen zu faul dafür.

Kleine Eisenbahn und schlafende Fahrer

Angesichts dieses geballten Angebots an Verkehrsmitteln gab es im Park auch an einem Sonntagnachmittag keine Staus. Der offensichtliche Erfolg dieses Konzepts sollte die Verkehrsplaner in Jakarta überzeugt haben, ein ähnliches Konzept auch in der Stadt Jakarta einzuführen. Bislang fährt alles nur auf der Strasse. Doch leider hat von diesem Kreis wohl noch niemand TMII besucht. Oder ein Verkehrsplanungsbüro existiert (noch) gar nicht. Bis dahin quälen sich täglich Millionen durch die chronisch verstopften Strassen.

Mehr Transportmittel auf einmal geht kaum!

TMII war entspannend. Der Park ist ein großes Oval mit einem See in der Mitte. Von der Seilbahn aus kann man erkennen, dass die kleinen Inseln im See die Inseln Indonesiens nachbilden. Entlang der Strasse, die um den See führt, reihen sich Bereiche für die verschiedenen Regionen Indonesiens auf, die ihre Kultur durch traditionelle Häuser, Tänze und Kunst präsentieren. Zusätzlich gibt es Museen, einen Wasserpark, Vogelpark, Kaktusgarten, Kräutergarten, Musikpark, Kinderspielplätze und vieles mehr. Das alles klingt jetzt nicht so sehr nach Disney, bis man das Schloss im Herzen des Parks erblickt. Es ist ganz klar an Cinderellas Schloss angelehnt und dient hier als Kinderspielburg.

Freiflugvoliere des Vogelparks

Das ist doch mal ein Wasserpark!

Cinderella's Urlaubsresidenz in Jakarta

Der Eintritt in den Park ist nicht teuer (1 USD), dafür kostet vieles extra. Viele Familien besuchen den Park wahrscheinlich öfter und meist nur einen Teil, z.B. den Wasserpark. Andere nutzen ihn als Picknickplatz oder für Familienfeiern. Am Sonntag fand eine Hochzeit im Gebäude von West Sumatra statt. Der Park ist einer der wenigen grünen Flecke in der Stadt und deshalb besonders am Wochenende beliebt. Wir waren mehr an den Präsentationen der Kulturen interessiert und machten uns zu Fuß auf den Weg von einer Station zur nächsten. Glück oder Pech, die Sonne schien und es war extrem heiß. Langsam gewöhnt man sich daran, mit Sonnencreme aus dem Haus zu gehen.

Hochzeit eines Paars in 'West Sumatra'

Ein Haus aus Kalimantan

Die Stationen bestehen typischerweise auch einem großen Hauptgebäude, das im Stiele der Region errichtet ist. Die Häuser aus Padang oder Südsulawesi sind besonders markant mit steil zulaufenden Dachgiebeln. Es ist erstaunlich, dass dieser Stil sich auf Sumatra und Sulawesi verbreitet hat, wo doch die Inseln so viele hundert Kilometer entfernt voneinander liegen. Es gab eben schon regen Schiffsverkehr zwischen den Inseln bevor die Europäer hier ankamen.

Unterstände der Toraja aus Süd-Sulawesi

Gelände mit Häusern aus West-Sumatra

Typisch für die meisten Regionen sind kleine Unterstände, die auf Stelzen stehen. Diese haben sich sicherlich unabhängig voneinander entwickelt. Da die Inseln alle tropisch sind, braucht man hier keine dicken Wände als Schutz vor Kälte. Stattdessen braucht man ein Dach, das Schatten spendet. Durch das feuchte Klima gibt es viel Regen. Das Dach schützt auch davor. Um später dann nicht im Schlamm zu sitzen, wurden die Gebäude meist auf Stelzen gestellt. Ein halber Meter reicht schon, um dem feuchten Boden zu entkommen.

Haus auf hohen Stelzen

Tätowierungsritual auf Papua

Besonders schön und unterhaltsam waren die Tänze, die an manchen Stellen aufgeführt wurden. Die Kostüme und Make-Up waren unglaublich vielfältig. Manches würde bei uns vielleicht unter Kitsch laufen, aber das ist Teil der Kultur hier. Man liebt Buntes und reich Verziertes. Während die Kostüme der Frauen aus Java, Bali oder entfernten Inseln eher freizügig schulterfrei sind, besitzen die Gewänder aus dem Norden Sumatras auch Kopftücher. Im Gegensatz zu unseren Volkstänzen gibt es in Indonesien fast keine Tänze von Paaren. Meist sind es Gruppen von Frauen oder Männern, die eine Choreographie aufführen. In manchen Regionen wie Bali oder Java ist die Haltung der Hände und der Ausdruck des Gesichts besonders wichtig. Nicht nur mit den Beinen wird getanzt. Vor allem durch Mimik wird ein Teil der Geschichte erzählt. Viele Tänze werden genutzt, um eine Legende zu erzählen. Berühmt sind z.B. die Aufführungen vor dem Prambanan Tempel in Yogyakarta, die die Sanskrit Geschichte Ramayana umsetzen. Als Begleitung spielen meist Trommeln und auf Java und Bali ein Gamelan Orchester. Dieses besteht hauptsächlich aus Gongs und Trommeln. Dazu kommen Xylophone, Flöten und Angklungs. Es wird nicht nach Noten gespielt, sondern nach Gefühl und Erfahrung. Manchmal mag es unkoordiniert wirken. Insgesamt finde ich es recht entspannend. Es klingt irgendwie sphärisch.

Gamelan Orchester

Interessante Aufführung im Knien zum Rhythmus einer Trommel

Ein schöner Park, den ich jedem Touristen ans Herz legen kann. Er ist natürlich typisch indonesisch, das heißt er ist nicht so auf Hochglanz poliert wie ein westlicher Freizeitpark. Vieles ist ein bisschen herunter und in die Jahre gekommen, aber er ist sauber und man kann hautnah die indonesische Kultur bzw. die vielen unterschiedlichen Kulturen kennen lernen. Umso mehr man sich darauf einlässt, umso mehr wird man auch mitnehmen. Von den traditionellen, wie auch von der heutigen Kultur. Denn der Park ist gefüllt mit Indonesiern, die alle die moderne indonesische Kultur leben. Vom Kopftuch bis zum Minirock.

Eine Kirche mit meinem Namen

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