Sundanesisch und der Feuerspucker

Posted on 28. April 2010. Filed under: Essen & Trinken |

Heute möchte ich euch von meinem indonesischen Lieblingsessen erzählen und wie Benjamin der Hals brannte🙂

Sajian Sunda Sambara Restaurant

In Indonesien gibt es tausende Inseln. Man nennt sie die Sunda-Inseln. Geteilt sind sie in die großen (Borneo, Sumatra, Java und Sulawesi) und die kleinen (östlich von Java von Bali, Lombok bis Timur) Sunda-Inseln. Sie besitzen alle eine unterschiedliche Kultur und unterschiedliche Küchen. Von der großen Insel Sumatra kommt das Padang Essen von dem ich euch schon einmal in meinem Blog berichtet habe. Eine andere Richtung nennt sich Sundanesisch. Sie ist eine abwechslungsreiche und sehr leckere Küche mit viel Fisch. Eine Art Zusammenstellung der verschiedenen Gerichte aus ganz Indonesien, hauptsächlich denke ich aber aus Java. Man findet überall sundanesische Restaurants. Man kann ein Festmahl halten oder nur kurz eine Kleinigkeit essen.  

Gefüllter Tisch

Typisch für das indonesische Essen, wie auch in vielen Teilen der Welt ist, dass man gemeinsam verschiedenes bestellt und jeder sich dann nimmt was ihm schmeckt. Wenn man ein sundanesisches Restaurant betritt, sucht man sich zuerst an einer großen Theke das Essen aus. Es ist teils unfertig in großen Schalen und Körben aufgebaut.

Natürlich habe ich Benjamin auch in ein gutes Lokal geführt und er konnte alles probieren. Beginnen wir also mit der Auswahl:

Hühnchen in jeder Geschmacksrichtung

Das häufigste Tier in der Küche ist hier das Hühnchen. Es wird in jeder Geschmacksrichtung serviert, in Curry, süßer Sojasoße, Zitronengras, mit Knoblauch oder Chili. Auch Ente und Rind findet man oft. Steaks wie bei uns kennt man in der traditionellen Küche allerdings nicht. Fleisch war selten und kostbar, deshalb wurde nicht so viel auf einmal gegessen. Hühnchenbrust wird niemals serviert, sondern immer kleine Teile des Hühnchens mit Knochen. Dabei wird hier das Huhn nach anderen Regeln zerhackt als bei uns. Man findet immer wieder Knochensplitter im Fleisch… Ich finde die Hühnchen hier auch deutlich kleiner als bei uns. Oder weniger gut genährt. Sie haben auch längere Beine. Vielleicht mit Absicht, denn Hühnerfüße gibt es auch im Supermarkt. Vorwiegend wohl für die chinesischen Kunden.

Fisch, Rindfleisch, Garnelen, Tintenfisch, Perkedel

Zur sundanesischen Küche gehören auch Fisch und andere Meeresfrüchte wie Garnelen und Tintenfisch gegrillt, gebraten oder gekocht. Meist gibt es Gurame, ein Fisch der aussieht wie aus dem Meer, tatsächlich aber im Süßwasser lebt. Er schmeckt vorzüglich und ist ein MUSS wenn ich sundanesisch essen gehe! Typisch indonesisch ist, dass man fast den gesamten Fisch isst. Besonders die knusprige Haut und Flossen sind begehrt. Weiche Gräten werden auch einfach mitgegessen. Genauso wenig wie beim Hühnchen, gibt es vom Fisch Filets. Diese proteinreichen Gerichte sind eine Erfindung des Westens.

Als Beilage gibt es Tempe aus Sojabohnen, Tofu oder Perkedel. Diese Fladen oder Puffer werden aus Mais oder Kartoffelpüree mit Mehl hergestellt und anschließend frittiert. Hier wird gerne frittiert. Fett schmeckt. Deshalb ist KFC (Kentucky Fried Chicken) in Indonesien auch so unglaublich erfolgreich: frittiertes Hühnchen! Wenn ich sundanesisch esse, bestelle ich immer Perkedel Jagung, Maispuffer. Sehr lecker!

Beilagen wie Wasserspinatgemüse

Als Gemüse wir hauptsächlich Wasserspinat angeboten. Ihn gibt es in den verschiedensten Geschmacksrichtungen. Auch grüne lange Bohnen und Kohlsorten sind beliebt. Andere typische Beilagen sind gebratener Tofu und Tempe, kleine getrocknete Fische mit Erdnüssen oder kleine, süß-scharfe Kartoffelstifte.

In der sundanesischen Küche findet man auch Satai (oder Sate). An den Strassen sieht man viele kleine Grills die Hühnchen-, Ziegen- oder Rindfleischspieße rösten und mit einer scharfen Erdnusssoße servieren. Die Erdnuss wurde erst durch die Seefahrer in Indonesien eingeführt. Sie hat sich aber schnell durchgesetzt. Ein sehr beliebtes Nationalgericht ist Gado-Gado. Ein Salat meist aus grünen Bohnen, Kohl, Gurken und Sojasprossen serviert mit Reisstärkekuchen und einer wie immer scharfen Erdnusssoße. Ich mag es sehr gerne. Allerdings kann ich es nicht überall von der Strasse essen, denn Gado-Gado ist roh und damit anfällig für Bakterien. Europäer müssen sich erst langsam an die fremden Bakterien gewöhnen.

Beilagenschälchen werden an der Theke gefüllt

Nachdem man sich die Gerichte ausgesucht hat, werden sie gebraten oder kurz wieder erwärmt zum Tisch gebracht. Traditionell indonesisch ist, dass die Gerichte im Laufe des Vormittags so zubereitet werden, dass sie den ganzen Tag bei Zimmertemperatur überstehen. Vor dem Essen werden sie dann noch mal kurz erhitzt. Allgemein ist das Essen nicht so heiß wie bei uns, sondern eher lauwarm. Draußen ist es ja heiß genug.

Bevor es in Indonesien Teller gab wurde von Bananenblättern gegessen. Oft findet man sie noch als traditionelle Dekoration auf dem Teller. So auch in meinem sundanesischen Lieblingsrestaurant in dem das Essen in Körben serviert wird, die mit Bananenblätter ausgelegt sind.

Korb mit frittieren Perkedel

Dazu gibt es immer eine Theke mit Salat. Allerdings ein bisschen anders als bei uns. Es gibt lokale Gurken und verschiedene Blätter. Sie erinnern meist an Minze und Salbei. Geschmackssache…

Salatbeilage

Nicht fehlen darf natürlich Sambal. Sambal wird aus Chilis hergestellt und von den Indonesiern zu allem gegessen. Es ist das einheimische Ketschup. Nur scharf. Wenn man hier Kecap sagt, bekommt man eine süße Sojasoße. Sie steht auf jedem Tisch. Jeder Koch hat seine eigene Kreation vom Sambal. Mal mit grünen Chilis, mal etwas fischig, mal besonders scharf.

Im Sambara, was auf Sundanesisch übrigens ’scharf‘ bedeutet, gibt es eine besonders scharfe Variante. Und wenn es auf indonesisch schon als scharf bezeichnet wird, dann ist es wirklich unglaublich feurig! Nichts ahnend nahm Benjamin ein bisschen zu viel davon und kippte fast um. Er konnte schier Feuer spucken. Auch ich habe dann einmal probiert und mir brannten sogar die Lippen. Unglaublich wo diese Schärfe herkommt! Es war das Heftigste was ich bisher gegessen habe!

Sambal

Um richtig satt zu werden steht auf dem Tisch immer ein Korb voller Reis. Da Fleisch und Gemüse traditionell rar war, ist es üblich hauptsächlich Reis zu essen. Für Europäer etwas ungewöhnlich. Bei uns besteht der Hauptteil des Essens eher aus dem Stück Fleisch. Anfangs fand ich es sehr gewöhnungsbedürftig immer Reis zu allem zu essen. Selbst bei McDonald’s gibt es für die Indonesier Reis zum Burger. Inzwischen ist es normal fuhr mich und ich esse den Reis sehr gerne. Asiatischer Reis ist auch leckerer als bei uns. Er klebt und schmeckt leicht süß.

Gedeckter Tisch

Zum Nachtisch gibt es in Teig frittierte Bananen und aufgeschnittenes Obst. Auch zum Essen sind Fruchtsäfte sehr beliebt. Für manche Deutschen ist die indonesische Küche ein bisschen zu süß. Auch Erdnüsse sind ungewöhnlich bei uns. Ich mag das aber sehr gerne und genieße das Essen. Inzwischen habe ich mich so daran gewöhnt, dass ich manches in Deutschland vermissen werde. Ich muss mir noch ein indonesisches Kochbuch kaufen, um ein paar Dinge in Deutschland nachzukochen. Alle indonesischen Gerichte mag ich auch nicht, aber die sundanesische Küche ist durchgehend lecker. Sie wird mir fehlen. Falls ihr einmal ein indonesisches Restaurant in Deutschland finden solltet, gebt mir Bescheid und probiert es!

Lecker! Ikan Gurame Bakar

Make a Comment

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Liked it here?
Why not try sites on the blogroll...

%d Bloggern gefällt das: