Danau Toba – Ein Stückchen Deutschland in Indonesien

Posted on 24. April 2010. Filed under: Ausflüge |

Inzwischen habe ich schon einige Inseln Indonesiens besucht. Die zweitgrößte ist Sumatra. Die Entscheidung welchen Teil Sumatras wir besuchen werden war nicht ganz einfach. Die Insel ist riesig und besitzt viele schöne und interessante Ecken. Im Norden befindet sich die Region Aceh. Der Islam ist dort besonders stark. Die Scharia wurde 2002 eingeführt und macht die Gegend für Weiße seitdem nicht zum idealen Reiseziel. Auch ist die Region bekannt für ihren Widerstand gegen die zentrale Regierung auf Java. Der Tsunami 2004 dezimierte den Aufstand und die Bewohner Acehs massiv. Inzwischen ist die Region wieder aufgebaut und der Islam mit Hilfe aus Saudi Arabien mehr denn je erstarkt. Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes wurde letztlich dort angeschossen. Seitdem reist nicht einmal das Rote Kreuz mehr in diese Gegend. Eine sehr beunruhigende Entwicklung.

Etwas weiter südlich an der Ostküste befindet sich Medan, eine der größten Städte Indonesiens. Wenn man weiter ins Landesinnere fährt kommt man in das Gebiet der Batak, einem der bekanntesten Volksstämme in Indonesien. Ehemals kannibalistisch konvertierten viele während der Kolonialisierung zum Christentum. In ihrem Gebiet liegt auch der Kratersee Toba, der gerne für entspannende Urlaube besucht wird. Vor der Westküste liegen einige Inseln darunter die schöne Insel Nias. Sie war einst eine Kopfjägerinsel und beherbergt Überreste einer Megalith-Kultur. Die Inseln vor der Küste wurden schon immer stark von Erbeben heimgesucht. Vor allem durch die aus der letzten Zeit leidet die Bevölkerung. Auch die Gegend um Padang an der Westküste wurde durch die letzten Beben schwer getroffen. Ansonsten ist die Stadt vor allem wegen ihres scharfen Essens bekannt. Man kann es überall in Indonesien finden (Blog „Padang“). Es gibt also viele Orte auf Sumatra die besuchenswert sind. Für alle fehlte uns die Zeit. Da mir geraten wurde nicht in die Erbebengebiete zu reisen, entschieden wir uns für den Tobasee.

Restauriertes Batak Haus

Die Anreise ist in Indonesien oft nicht einfach. Die Gebiete sind nicht für Touristen ausgelegt und die dort lebende Bevölkerung verreist nicht viel. Für Flüge fehlt ihnen das Geld. Also fliegt man nach Medan und mietet ein Auto. Inklusive Fahrer versteht sich🙂 Busse fahren auch, aber die indonesischen Busse sind langsam und alles andere als bequem. Von den Strassen gar nicht zu sprechen! Meinen Urlaub will ich nicht mit so einer Tortour beginnen.

Medan war eine sehr indonesische Stadt. Da es weniger Ausländer als in Jakarta gibt, gibt es auch weniger westliche Infrastruktur. Die drittgrößte Stadt Indonesiens ist nicht wirklich hübsch, sondern eher praktisch gehalten. Trotz ihrer zwei Millionen Einwohner wirkt sie erstaunlich überschaubar. Eine Besonderheit, die ich das erste Mal dort gesehen habe sind Motorradbeiwagen. Während es in Yogyakarta Pferdekutschen und Fahrradrikschas gibt, die mit Beinkraft betrieben werden, haben sich in Medan Motorräder mit überdachten Beiwagen durchgesetzt. Sie bieten Platz für zwei Personen und sind bei Regen auch geschützt. Trotzdem sind sie sehr schmal und kommen besser durch den Stau. Für Warentransporte gibt es extra Beiwagen. Eine lustige Erfindung! Jede indonesische Stadt zeigt Kreativität und Individualität. In Jakarta sind diese Verkehrsmittel allerdings verboten, da sie den Verkehr zu sehr aufhalten. Jakarta ist bereits auf das Auto und den Roller umgestiegen. Der Entscheidende Schritt wäre allerdings, das Angebot um eine U-Bahn oder Hochbahn zu ergänzen.

Beiwagentaxi

In Medan hatte ich die Gelegenheit, bei einem Pharma Congress kurz hereinzuschauen. Wir trafen uns mit einer Arbeitskollegin von mir zum Frühstück in ihrem Kongresshotel. Später hielt sie ihren Vortrag und wir verabschiedeten uns Richtung Tobasee.

Prapat am Ufer des Tobasees

Knapp vier Stunden dauerte es trotz Auto, um den Küstenort Prapat zu erreichen. Von weitem wirkt er wie einer der kleinen Orte am Gardasee. Ohne die Touristenscharen. Die Gegend um den Tobasee liegt etwas erhöht und so ähneln die Temperaturen denen aus Deutschland im Sommer. Einst stand an der Stelle des Sees ein gigantischer Vulkan, dessen Ausbruch einen weltweiten vulkanischen Winter verursachte. Zurück blieb ein Krater gefüllt mit Wasser. Der Kratersee ist der größte der Welt. In dessen Mitte befindet sich eine Insel von den Ausmaßen Singapurs. Man erkennt sie gar nicht als Insel. Es erscheint viel mehr wie das gegenüberliegende Ufer. Die Landschaft ist wunderschön und sehr idyllisch. Man kann sie durchaus mit den Berglandschaften in Europa vergleichen. Es wachsen viele Nadelbäume, dazwischen aber auch tropische Hölzer, denn im Gegensatz zu unseren Breitengraden friert es hier nie. In Indonesien kann man die verschiedensten Klimazonen finden.

Schiff, dass uns nach Tuk-Tuk brachte

Sehr schön ist auch die Überfahrt zur Insel Samosir. Streng gesehen ist sie keine Insel, da sie im Westen über einen schmalen Streifen mit dem umliegenden Land verbunden ist. Samosir besitzt wiederum eine winzige Halbinsel mit dem netten Namen Tuk-Tuk. Dort befinden sich die meisten Unterkünfte für Touristen. Da dieser abgelegene See nur von Indonesiern und ein paar weißen Rucksacktouristen besucht wird, gibt es lediglich einfache Unterkünfte wie Cottages. Zu unserem Glück hat vor nicht allzu langer Zeit das Samosir Villas eröffnet, das rund um die Uhr heißes Wasser und eine recht gepflegte Unterbringung anbietet. Natürlich zu einem höheren Preis, aber wer sich auskennt wie wir, kann schon einen ordentlichen Rabatt heraushandeln.

Beste Adresse am Ort

Der Blick von unserem Zimmer auf den See war wie aus dem Bilderbuch. Die Stille war unbeschreiblich. Weit weg vom ständigen Brummen der großen Stadt. Entspannung pur!

Blick auf Samosir

Abgesehen von den wenigen Einwohnern die sich in kleinen Dörfern zusammen geschlossen haben, ist die Insel sehr verlassen. Auf Tuk-Tuk gibt es zu viele Cottages, die meist leer stehen. Auch in unserem Hotel waren nicht viele Gäste. Die Menschen kämpfen um jeden Tourist. Es ist ein bisschen deprimierend. Leider ist das Problem hausgemacht, bzw. keiner hier weiß wie man Tourismus wirklich betreibt. Indonesien hat so viele schöne Ecken, die aber zu schwer zu erreichen sind. Für Pauschaltouristen sowieso ungeeignet.

Strasse durch das Dorf Tomok

Will man beispielsweise mehr Besucher zum Tobasee locken, muss man entweder eine vernünftige Strasse bauen oder gleich einen kleinen Flughafen. Stattdessen gibt es eine einzige schmale Strasse in der die Schlaglöcher knietief sind. So was habe ich noch nie gesehen! Selbst die Anwohner, die sie täglich nutzen müssen, kommen nicht mal auf die Idee, diese unglaublich tiefen Löcher mit Sand oder Kies aufzufüllen. Stattdessen quälen sie sich im Schneckentempo dahin, riskieren Reifenpannen und Achsbrüche, die noch mehr Staus verursachen. Es ist mir unbegreiflich wie diese Menschen so wenig nachdenken und ihre Situation nicht ändern wollen.

Nur mit Jeep zu passieren

Der Ausflug gehörte also eher zur Kategorie Abenteuer, allerdings in der bequemen Variante mit Auto und Fahrer😉 Da habe ich mich schnell an die indonesische Oberschicht angepasst. Auf der Insel dagegen gibt es nur wenige Autos und so haben wir uns zwei Roller geliehen für den stolzen Preis von sechs Euro pro Tag. Der Tag war zwar nicht so lang, denn es regnete mehrfach, doch wir sahen ein paar sehr nette Ecken der Insel. Die Strassen führen an der malerischen Küste entlang und sind gesäumt von kleinen Dörfern. Eine herrliche Tour. Jetzt kann ich die Begeisterung der Motorradtourenfahrer nachempfinden.

Unterwegs mit dem Roller

Im Gebiet um den Tobasee lebt ein Volk namens Batak. Vor langer Zeit, sagt man ihnen nach, neigten sie zum Kannibalismus. Ganz sicher sind sie aber direkter und etwas derber als die Menschen auf Java. Während es auf Java furchtbar unhöflich ist jemanden direkt zu sagen was man denkt, kann man von den Batak schon mal die richtige Meinung hören. Als die Kolonisten kamen, folgten auch Missionare. Ein Deutscher namens Ludwig Nommensen war sehr erfolgreich und so sind die Batak heute vorwiegend christlich. Sie schufen aus Not ihre eigene Kirche und stellen einen guten Teil der indonesischen Elite, da sie aus Europa unterstützt wurden. Es ist eine schöne Abwechslung einmal nicht dauernd Moscheen und Kopftücher zu sehen, sondern viele kleine Kirchen. Das Prinzip ist aber das Gleiche. Jedes Dorf besitzt eine eigene Kirche und sie wird genauso besucht wie eine Moschee. Die Religionen hier sind teilweise austauschbar. Nicht alle Regeln werden so ernst genommen, andere Dinge werden übertrieben. Die Menschen suchen einfach nach einem Anlaufpunkt und etwas, dass das Dorf vereint.

Horas! Der Begrüßungsruf bei den Batak

Als die Batak das Christentum annahmen, behielten sie natürlich auch noch ein paar alte Bräuche. Einige typische Adat-Häuser stehen noch immer. Sie sind meist auf kurze Stelzen gestellt. Die Giebel laufen hoch zusammen und sind mit roten, weißen und schwarzen Mustern verziert. Leider wurden viele der Strohdächer mit Wellblech ersetzt. Oft sieht man Gecko-ähnliche Tiere dargestellt. Zeichen eines generationenreichen Hauses ist es, wenn am Dach die Hörner mehrerer Wasserbüffel hängen. Ansonsten werden Wasserbüffel nur zu besonderen Ereignissen geschlachtet. Sie sind sehr wertvoll hier.

Kleines Museum in einem Adat Haus

Cottage des Carolina Hotels

An einigen Stellen auf Samosir sieht man noch die Überreste der einstigen Megalith-Kultur. In mehreren Dörfern findet man Tisch und Stuhlgruppen aus dem Stein gehauen. Gerne wird erzählt, dass einer der Steine kannibalischen Ritualen diente. So ganz kann ich das nicht glauben. Aber für die Touristen ist es eine tolle Geschichte.

Überreste der Megalith-Kultur

Grab der Sidabutar Könige

Daneben findet man auch große Steinsarkophage. Sie enthalten allerdings keine Skelette, sondern die Knochen mehrerer Generationen. Die Menschen werden wieder ausgegraben und in einer zweiten Zeremonie mit ihrer Familie beigesetzt. Die modernen Batak betten ihre Ahnen ebenfalls in Steinsärgen über der Erde zur letzten Ruhe. Inmitten der Felder sieht man oft zwei Särge mit Blumen und Kerzen, die mit einem Dach vor Regen geschützt werden.

Besonders schön verzierte Grabstätte

Ein weiteres Objekt, das heute nur noch für traditionelle Zeremonien genutzt ist das Ulos-Tuch. Als Andenken habe ich mir eines der modernen gewebten Batak-Tücher gekauft. Inzwischen bringe ich von jeder Insel etwas mit, an das ich mit erinnern kann, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Batak Webstuhl

Mein wunderschöner Batak-Schal

Ein netter Ausflug über ein verlängertes Wochenende. Leider muss ich sagen, hat sich bei mir ein Phänomen bemerkbar gemacht, von dem ich im Lonley Planet gelesen habe. Ermüdung. Ich habe die Wochen davor so viele einzigartige Orte gesehen, vom Kinabalu bis zum Bromo, dass mir der Tobasee nicht mehr so außergewöhnlich erschien. Benjamin hingegen war sehr begeistert, weil er zwischenzeitlich wieder in Deutschland war. Man merkt, dass ich mich wohl langsam an das Leben hier und auch an das Reisen gewöhne. Das manchmal eigenartige Verhalten der Menschen überrascht mich nicht mehr und ich fühle mich nicht wie ein Tourist. Ich habe hier schon mehr gesehen als die meisten Indonesier und noch große Pläne für Sulawesi und Lombok. Vielleicht mag es jetzt recht viel auf einmal sein, aber die Chance wieder einmal ins Herzen von Sumatra zu reisen, wird nicht groß sein. Deshalb nutze ich meine Zeit hier. Es ist ein spannendes Land.

Megalithskulptur

Anfangs hatte ich ja erzählt, dass wir uns für den Tobasee entschieden haben, weil die anderen Gebiete so von den Erbeben beeinträchtigt waren. Kurz nachdem wir wieder zurück in Jakarta waren, erschütterte ein starkes Beben die Küste vor Sumatra. Es war bis Kualur Lumpur zu spüren und sicher auch am Tobasee. Wir hatten Glück und sind ihm knapp entwischt!

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