Krakatau – Ein lebendiger Vulkan

Posted on 15. April 2010. Filed under: Ausflüge |

Dieses Wochenende haben Benjamin und ich einen besonders schönen Ausflug gemacht. Es ging zur meiner 4. Welterbestätte Asiens, dem Krakatau Vulkan, bzw. was von ihm noch übrig ist oder wieder wächst.

Der heutige Krakatau

Um Weltnaturerbe zu werden, muss der Ort außergewöhnliche natürliche Schönheit, einzigartige Flora oder Fauna, starke aktive geologische Veränderungen oder historische Bedeutung aufweisen, wie in Fall des Krakatau.

Von links: Rakata, Sertung (hinten), Anak Krakatau und Panjang

Die Geschichte des Krakatau ist wild. Zu finden ist er auf dem Feuerring zwischen den Inseln Sumatra und Java. Er entstand wie die vielen Vulkane Indonesiens durch die Subduktion (Unterschieben) der indo-australischen unter die eurasische Kontinentalplatte. Dabei schmilzt das abtauchende Gestein und steigt zum Teil als Magma auf. Vulkane entstehen. In diesen Subduktionszonen kommt es oft zu gewaltigen Explosionen wie im Fall das Krakatau. Man vermutet, dass es vor langer Zeit zu einem sehr heftigen Ausbruch kam, der eine große Caldera formte. Heute sieht man davon nur noch zwei kleine Inseln, die den heutigen Vulkan umrahmen, Panjang (zu Deutsch: lang) und Sertung (oder Verlaten). In deren Mitte wuchsen mit der Zeit mehrere Kegel, Perboewatan und Danan, die mit dem Rakata Kegel verschmolzen und die Hauptinsel des Krakatau formten.

Anak Krakatau

Bis 1883. In diesem Jahr kam es zu vier gewaltigen Eruptionen, die die Hauptinsel fast vollständig zerstörten. Die Explosionen waren bis Mauritius und Perth in Australien zu hören. Um die 20 km3 Asche wurde 80 km weit in die Atmosphäre geschleudert. Der Ausbruch hatte eine Kraft von ca. 10.000 Hiroschima Bomben und war der zweitgrößte der Neuzeit. Die Schockwelle wanderte sieben Mal um die Erde und war überall messbar. Es war ein globales Ereignis, das nicht nur durch die Tsunamis die nähere Umgebung in Indonesien verwüstete, sondern auch das Klima auf der gesamten Erde veränderte. Die durchschnittliche Temperatur fiel um ca. 1 Grad und das Wetter war für viele Jahre durcheinander. In unserer heutigen Zeit mag man sich so eine Katastrophe gar nicht vorstellen.

Rakata von dem die rechte Seite fehlt

Rakata von dem die rechte Seite fehlt

Übrig blieb der halbe Kegel des Rakata, der heute auch Mutterkrakatau genannt wird.  Die beiden alten Inseln Panjang und Sertung wurden völlig verbrannt. Niederländische Kolonisten untersuchten später die Schäden. Nach etwas Ruhe gingen die Eruptionen weiter und so steigt an der Stelle der beiden alten Kegel ein neuer Vulkan aus dem Meer. 1930 durchbrach er die Wasseroberfläche. Man nennt ihn Anak Krakatau, das Kind des Krakatau. Heute ist er ca. 400 Meter hoch und wird beständig größer. Erst 2009 gab es eine sehr aktive Phase, in der Magma austrat und ihn stark wachsen ließ.

Karte der Krakatauinseln

Glücklicherweise oder leider – wie man es sieht – war er wieder ruhig, als wir ihn besuchten. Ich bin sehr fasziniert von diesen Naturgewalten und musste diesen geschichtsträchtigen Vulkan unbedingt mit eigenen Augen sehen. Gerne hätte ich auch eine Eruption mit Lava gesehen, aber vielleicht war es sicherer, dass das nicht der Fall war…

Kleiner Überlebender auf dem Anak Krakatau

Da der Krakatau nicht weit von Jakarta entfernt ist, machten wir uns dieses Mal mit dem Auto auf den Weg. Für die 150 km braucht man trotzdem drei Stunden. So ist Indonesien eben. Große, komfortable Autos, aber schlechte Straßen. Erst mal muss man aus Jakarta heraus und nach der schnellen Mautstrasse schlängelt man sich an der Küste weiter, über eine wie immer löchrige Straße. An der Westküste begegneten uns erst einmal gigantische Anlagen von Stahlwerken. Indonesien ist sehr reich an Erzvorkommen. Wahrscheinlich liegt das auch an der Verschiebung der Kontinentalplatten. Diese Stelle an der Küste ist wohl vorteilhaft, um die schweren Materialen mit dem Schiff an- oder abzutransportieren.

Links Rakata, rechts hinter dem Boot Anak Krakatau und Panjang

Später war die Küste gesäumt von unzähligen Unterkünften. Die Gegend ist ein schönes Wochenendausflugsziel für all die Menschen aus Jakarta. Auf dem Rückweg begegneten uns massenweise Busse. Ein empfehlenswertes Hotel ist das Carita Mutiara, in dem wir eine Nacht verbrachten, um am nächsten Tag die Tour zu starten. Von der Küste aus erreicht man die Inselgruppe des Krakatau in 1,5 h per Boot. Dieses Mal ging es aber nicht zum Sonnenaufgang los, sondern gemütlich um 8 Uhr😉

Unterwegs mit dem Boot

Dafür war die See aufgewühlt vom Regen in der Nacht zuvor und daher war es etwas wackelig an Bord. Die kleine Nussschale mit fünf Personen ist nichts für Leute, die seekrank werden! Doch je näher wir den Inseln kamen, umso besser wurde das Wetter und es eröffnete sich ein fantastischer Anblick.

Anak Krakatau

Panjang Island

Seit dem schweren Ausbruch 1883 eroberte die Natur die Inseln des Krakatau wieder zurück. Wenn man auf die Gruppe zufährt, sieht man die Inseln Rakata und Panjang überwuchert von Pflanzen. Sie können die grüne Vegetation kaum halten scheint es. Bis ins Meer reichen die Bäume. Der Kontrast zum Anak Krakatau ist deshalb enorm. Er ragt schwarz mit ein paar weißen Flecken aus dem Meer. Kommt man näher, kann man erkennen, dass an einem der Hänge doch schon die ersten Bäume wachsen. Die Natur ist nicht aufzuhalten!

Am Hang vor dem Krakatau

Wenn der Krakatau nicht aktiv ist, kann man ihn teilweise besteigen. Man landet an einem fantastischen schwarzen Strand und schlägt sich erst einmal durch den Wald, der hauptsächlich aus Nadelhölzern besteht. Die Erdschicht auf dem Boden ist noch nicht dick und überall kommt der schwarze Vulkansand durch. Es ist beeindruckend, wie fruchtbar dieses Vulkangestein ist. Allerdings hat die Natur noch nicht alles erobert und so kommt man bald aus dem Wald heraus und läuft über den losen Sand den Hang hinauf. Nach ein paar hundert Metern Aufstieg erreicht man eine Anhöhe, von dem man die Spitze des Krakatau sehr gut sehen kann.

Auf dem Anak Krakatau

Zerstörte Station und unser Führer

Vor nicht allzu langer Zeit stand hier eine Messstation. Doch sie fiel dem letzten Ausbruch 2009 zum Opfer. Eine Sonde steckt noch im Boden, die benutzt wird, um die Höhe des Kegels zu messen. Die Gegend ist eine Steinwüste. Manchmal entdeckt man “Bomben”, große Steingeschosse, die ausgeworfen wurden. Einige Stellen sind rötlich, dort ist das Gestein sehr eisenhaltig. Andere Stellen sind weiß und gelb, was auf Schwefel hinweist. Eine Stelle habe ich auch entdeckt, an der heiße Luft austritt. Der Vulkan ist noch ganz klar aktiv und macht gerade nur ein Nickerchen, bevor er eines Tages wieder erwacht und heftiger ausbricht.

Kristallisierter Schwefel

Benjamin in der Steinwüste

Von diesem Standpunkt aus kann man auch die umliegenden Inseln wunderbar sehen. Am Horizont zeichnen sich die Bergketten von Java und Sumatra ab. Ein fantastisches Panorama! Deshalb liebe ich die Natur von Indonesien so sehr! Es ist eine einzigartige Landschaft.

Auf dem Krakatau, im Hintergrund Panjang und Java

Schwefel im Wasser vor dem Fuß des Anak Krakatau

Eisenhaltiger Auswurf am Fuß des Vulkans

Nach der Besteigung des Anak Krakatau umrundet man noch einmal die gesamte Insel. Am Südhang entfaltet sich die Natur bereits, doch auf den anderen Seiten sieht man noch die frischen Auswürfe, an denen sich das Meer bricht. Nach dieser toten Wüste ist Rakata mehr als das Paradies. Wenn man auf den alten Krakatau zusteuert sieht man, dass die Hälfte des Kegels fehlt. Sie wurde 1883 weggesprengt. Inzwischen hat die Natur die Hänge wieder überwuchert. Doch nicht nur über dem Wasser, sondern auch in den Riffen vor der Insel hat sich eine artenreiche Flora und Fauna angesiedelt. Diese Korallenriffe vor Rakata waren unser Ziel zum Schnorcheln. Ich kann es jedem sehr empfehlen! Von Nemo über Dori habe ich unglaublich viele verschiedene Fische gesehen. Auch die Korallen waren in einem hervorragenden Zustand.

Schnorcheln am Rakata

Am Krakatau kann man live den endlosen Kreislauf der Natur beobachten. Nach einer der größten Vulkaneruptionen der jüngeren Geschichte gedeiht die Natur hier wieder als wäre nichts gewesen. Ein beeindruckendes Beispiel der Eroberungskraft von Mutter Natur. Sie wird es immer wieder schaffen. Auch nach dem nächsten Ausbruch des Krakatau.

An einem Hang des Anak Krakatau wachsen die Bäume bereits

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Eine Antwort to “Krakatau – Ein lebendiger Vulkan”

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das kam ja passend zum Eyjafjallajökull


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