Kinabalu – Ein Traum wird wahr!

Posted on 31. März 2010. Filed under: Ausflüge |

Nun habe ich mir einen Traum erfüllt! Ich habe einen 4000er Berg bezwungen! Der gewaltige Kinabalu steht auf Borneo im Norden des malaysischen Teils der Insel.

Erste Blicke auf den gigantischen Berg

Seine Entstehungsgeschichte ist eine andere, als die der Vulkane auf Java denn der Kinabalu ist Resultat der Verschiebung von tektonischen Platten und nicht von aufsteigender Magma. Mit ca. 10 Mio. Jahren ist er geologisch gesehen recht jung. Er wächst heute noch mit einer Geschwindigkeit von 5 mm pro Jahr. Während der Eiszeit war er von Gletschern bedeckt, die ihm die markanten Granodiorit Felsformationen am Gipfel verliehen und die Rinnen und Täler an seinen Hängen hinterließen. Das besondere am Kinabalu, finde ich persönlich, ist, dass er relativ allein dasteht. Während die Alpen oder das Himalaja Gebirge aus vielen Bergen besteht und sich als Ganzes erhebt, besitzt der Kinabalu nur sehr wenige Nachbarn und sticht so stark aus der Landschaft heraus.

Panorama auf den Berg und seine Täler, die der Gletscher hinterlassen hat

Ausgangspunkt einer Besteigung ist die Küstenstadt Kota Kinabalu, die ihren Namen dem Berg verdankt. Der Berg und ein paar tropische Inseln locken Touristen. Deshalb findet man einige internationale Hotels in der Stadt. Wir haben uns bewusst für eines der besseren entschieden, um noch ein letztes Mal eine warme Dusche und ein sauberes, weiches Bett zu genießen. Die Besteigung dauert zwei Tage und bietet nur simple Unterkünfte. Zuvor fährt man in den National Park Kinabalu auf 1600 Metern Höhe. Dort kann man nochmals übernachten, um sich dann am frühen nächsten Morgen auf den Weg zu machen.

Eukalyptusbaum in seiner besonderen roten Farbe

Der Park besitzt auch einen Botanischen Garten, in dem uns unser Führer einige besondere Pflanzen erklärte. Es gibt z.B. Bäume, deren kleine Früchte eine Flüssigkeit absondern die brennt wie Petroleum. Vielleicht die Lösung des Energieproblems? Oder eine Frucht, ähnlich der Miracle Frucht aus Afrika, die die Geschmacksnerven im Mund so sehr verwirren, dass eine Zitrone plötzlich süß schmeckt und ein Bier wie Limonade. Von der handtellergroßen Gibbonspinne, die keine Fäden spinnt, sondern sich von Baum zu Baum schwingt wie ein Affe, war ich etwas weniger begeistert. Glücklicher Weise sind wir ihr nicht begegnet.

Kannenpflanzen sind am Kinabalu besonders artenreich

Der Urwald am Kinabalu ist einer der artenreichsten dieser Erde. Die Vielfalt der Flora ist so groß, wie diejenige ganz Europas! Besonders Orchideen haben sich in jeder Form und Farbe entwickelt. Viele der Arten sind endemisch, d.h. sie kommen nur in dieser Region vor. Auch die größte Blume der Welt, die Rafflesia keithii wächst hier. Es wird vermutet, dass die Evolution hier besonders aktiv war, weil es immer wieder massive Klimaschwankungen gab, von Kälte in der Eiszeit, über Trockenheit bis zu starkem Regen. Die Natur war gezwungen sich anzupassen und deshalb sehr kreativ. Der Kinabalu und National Park gehören aufgrund ihrer Flora und Fauna deshalb zu den Weltnaturerbestätten der UNESCO. Es ist schon die dritte Welterbestätte in Asien die ich in kürzester Zeit besucht habe.

Später unternahmen wir noch ein paar kleine Wanderungen auf den Pfaden durch den Dschungel des National Parks. Das war auch schon immer ein Traum von mir – einmal durch den Urwald wandern!

Dschungelwanderung

Leider hatte es schon lange nicht mehr geregnet. Während in Jakarta gerade Regenzeit ist, herrscht dort die Trockenzeit. Immerhin liegen sie 2,5 Flugstunden entfernt voneinander. Unser Führer machte uns auch auf die Bemühungen aufmerksam, den Park künstlich zu bewässern. Man sah den Flüssen und Pflanzen bereits etwas an, dass es ungewöhnlich trocken war. Doch das sollte sich ändern…

Urwaldfluß mit niedrigem Wasserstand

Nach einer Nacht in einem  Lodge des Parks begannen wir morgens die Besteigung des Kinabalu zu Fuß. Der wunderschöne Pfad führte erst durch den unteren Regenwald, dann wurde es steiniger und karger. Teils hatten wir Waldboden mit gigantischen Wurzeln, dann lehmiges Gestein und später große Felsen zu überwinden. Ein sehr abwechslungsreicher Weg. Hin und wieder gab es einen Unterstand zum Rasten, der sogar eine Toilette besaß! Während des Wanderns spendeten die Bäume angenehmen Schatten. Leider verschwanden wir später in den Wolken und hatten deshalb nur wenig Ausblick auf die Landschaft unter uns.

Orchideen wachsen vor unserem Lodge

Unser erster Tagesmarsch dauerte 3,5 Stunden und war nur 6 km lang. Dafür mussten wir aber 1600 Höhenmeter bewältigen. Das sind 27 cm in die Höhe pro Meter in der Horizontalen. Entsprechen steil war der Weg. Über viele tausend Stufen aus Fels und Holz führte der Pfad bis zur Laban Rata Hütte. Sie befindet sich auf 3600 Metern und bietet simple, aber angemessene Schlafmöglichkeiten. Vor allem das Essen war besser als erwartet. Es gibt heißes Wasser und sogar Briefmarken.

Blick vom Park auf den breiten Gipfel

Aber wie kommt das alles den Berg ohne Strasse oder Seilbahn hinauf? Die Lösung heißt Porter. Das sind junge Männer und auch Frauen die für 3 Ringgit pro Kilo (ca. 65 Cent) alles nach oben tragen, was die Bergsteiger brauchen könnten. Die Preise für eine Flasche Wasser ähneln deshalb eher den deutschen Tankstellenpreisen. Das erschreckende für jeden normalen Wanderer ist natürlich, dass diese Jungs so unglaublich fit sind, dass sie einen locker überholen trotz 20-30 Kilo Gepäck. Sie laufen den Weg sogar mehrmals am Tag. Mein Bruder meinte nur: Atomwadeln!

Der Gezackte Gipfel und die kleine Hütte rechts an der Baumgrenze

Eigentlich ist die Hütte sehr gut ausgestattet, aber als wir ankamen herrschte noch Wassermangel wegen der Trockenzeit und es gab ein Problem mit dem Stromgenerator. Deshalb wurde alles rationiert. Keine Duschen, kaum Toilettenwasser und Strom nur zur Essenszeit. Das Wasserproblem löste sich allerdings am Nachmittag langsam auf. Denn es fing an zu regnen. So saßen wir auf der Hütte und tranken Tee. Es fühlte sich durchaus ähnlich wie in den Alpen an🙂

Der Pfad durch den Wald und über große Steine

Am nächsten Tag hieß es wieder zeitig aufstehen, denn wie immer wollte man zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel sein. Da man bis dorthin aber noch 800 schwierige Höhenmeter zu überwinden hat, muss man bereits um 3:00 Nachts loslaufen. Nach einer eher schlaflosen Nacht in der lauten Herberge machten wir uns auf den Weg. Meinen treuen Wanderstock ließen wir zurück, denn der Aufstieg erforderte es, sich mit beiden Händen an einem Seil festzuhalten. Bei 3400 Metern ist die Baumgrenze und ab da geht es nur noch über den blanken Stein mit Hilfe eines gespannten Seils aufwärts. Im Dunkeln und nassen Wolken war das schon eine Herausforderung! Als erfahrener Wanderer mit der richtigen Ausrüstung wie festen Bergschuhen und Stirnlampen ist es aber kein Problem. Auch musste man sich schon deutlich wärmer anziehen, denn nachts ist es dort recht frisch. Allerdings muss man sich nicht sibirisch kleiden🙂 Ich hatten nämlich so viel Bedenken vor der Kälte, dass wir fast zu warme Kleidung dabei hatten. Wichtig ist die trockene Wechselkleidung, um sich oben von den nass geschwitzten Klamotten zu befreien, damit man keine Erkältung bekommt. Auch die Technik des Aufstiegs will geübt sein, denn es erfordert den vollen körperlichen Einsatz. Leider waren nicht alle so gut vorbereitet und so haben wir viele erschöpfte Menschen und ein paar in kurzen Hosen überholt. Nicht alle schaffen es nach oben, auch wenn der Park meinte, es ist von jedem in guter körperlicher Verfassung zu schaffen. Die Ausrüstung ist alles! Im Dunkeln fand ich es schon etwas gefährlich, da an manchen Stellen nicht so klar zu erkennen war, wie weit es links und rechts nach unten geht. Wenn man die Kraft verliert, sich am Seil festzuhalten, ist das fatal. Müdigkeit und die etwas dünnere Höhenluft macht einem auch zu schaffen. Manche Menschen erliegen der Höhenkrankheit und müssen schnellstmöglich wieder absteigen. Deshalb darf man den Berg nur mit kundigem Führer besteigen. Für den letzten Teil des Aufstiegs muss man sich zusätzlich an einem Check Point anmelden und beim Abstieg später wieder abmelden. So wissen sie genau wer unterwegs ist. Nach 2,5 Stunden erreichten wir dann erschöpft aber glücklich den Gipfel!

Das Beweisfoto

Erste Sonnenstrahlen erreichen die Nachbarspitzen

South Peak - Die große Distanz ist leicht zu verschätzen...

Durch die dicke Wolkenschicht an diesem Morgen, war der Sonnenaufgang leider nicht zu erleben. Nachdem die Sonne aber ein bisschen an Kraft gewonnen hatte, sanken die Wolken ab und gaben einen gigantischen Ausblick auf die umliegenden Spitzen des Kinabalu frei. Auf dem Gipfel gibt es mehrere Spitzen. Die Höchste von ihnen, die wir bestiegen, heißt Low’s Peak, benannt nach dem Mann, der den Kinabalu das erste Mal bezwang. Andere Spitzen sind nur mit Kletterausrüstung zu erreichen. Sie haben nette Name wie “Donkey Ears” zu deutsch Eselohren.

An diesem langen Seil ging es hinauf zum Low's Peak

Donkey Ears

Der Abstieg auf dem oberen Teil war der Schönste. Das Panorama der Spitzen von der Sonne erleuchtet und gebettet auf einem Meer aus Wolken, ist es jeden zuvor gemachten Schritt wert! Man fühlt sich wie auf dem Dach der Welt. Ein tolles Gefühl nach all der Anstrengung.

Dem Himmel sehr nah

Check Point vor dem letzten Aufstieg

Nachdem wir dann in die untere Wolkenschicht eintauchten, regnet es wieder. Oder immer noch. So blieb uns nach einem zweiten Frühstück nichts anderes übrig als im Regen abzusteigen, denn ich musste meinen Flug nach Jakarta erwischen. Auch das war kein Problem mit der passenden Ausrüstung. Und je weiter wir nach unten kamen umso wärmer wurde es wieder. So wurden wir von außen nass und schwitzten auch von innen wieder um die Wette. Das ganze war also eine ziemlich nasse Angelegenheit.

Das eigentliche Problem waren aber meine Knie. Sie schmerzen sehr, wenn ich zu lange bergab gehe. Der Abstieg erfolgt im Gegensatz zum Aufstieg an nur einem Tag. Wir brauchten dafür aber fast länger als nach oben, weil ich sehr langsam eine Stufe nach der andern nahm. Normalerweise besteige ich die Berge nur und fahre dann mit der Seilbahn wieder hinunter. Am Kinabalu gibt es die aber nicht und so musste ich meine Muskeln ordentlich anstrengen, um meine Knie zu entlasten.

Zurück im Hotel war erst einmal eine gaaanz laaange heiße Dusche bevor es zurück nach Jakarta ging wo es auch regnete. Wie immer. Mein Bruder blieb noch zwei Tage und machte einen Ausflug auf die Pulau Tiga Inseln, auf denen die Fernsehsendung Survivor gedreht wurde. Er genoss aber ganz entspannt ein Schlammbad und das Meer.

Die Besteigung das Kinabalu wird mir als eines der schönsten Erlebnisse hier in Erinnerung bleiben. Es war ein lang gehegter Traum, endlich einen so gewaltigen Berg zu Fuß zu erklimmen. Asien, mein Land der Träume!

Auf dem Zertifikat finden sich zahlreiche besondere Arten des Parks

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