Singapur und das chinesische Neujahr

Posted on 28. Februar 2010. Filed under: Ausflüge |

Wenn man nach Asien reist, besucht man irgendwann auch diese Stadt. Benjamin und ich wollten sie auch einmal sehen und sind nach Singapur geflogen. Viele Asiaten verstehen gar nicht warum alle Europäer unbedingt nach Singapur wollen. Es ist doch eine Stadt wie viele auch und eigentlich gar nicht so typisch asiatisch. Das habe ich mich dann auch gefragt. Was ist denn typisch asiatisch? Eine traditionelle Stadt oder eine moderne internationale Metropole wie Shanghai? Was hofft man eigentlich in Singapur zu erleben?

Skyline von Singapur

Wenn man eine europäische Stadt besucht, dann läuft man meist durch eine Altstadt und bewundert die alten Gebäude im Stile der Region und Epoche. Fast immer gibt es auch eine alte Kirche zu besichtigen, z.B. Notre Dame in Paris oder die Westminster Abbey in London. Asien ist da anders. Altstadt mit Fußgängerzone Fehlanzeige! Die asiatischen Stände sind manchmal gar nicht so alt. Erst 1819 durch die Gründung eines Handelssitzes in Singapur setzte Sir Thomas Stamford Raffles den Grundstein für die heutige Metropole. Zuvor lebten auf der Insel nur ein paar Fischer. Der Legende nach wurde die Stadt von einem hinduistischen Prinzen gegründet der dort einen Löwen sah. An vielen Stellen sieht man hier deshalb den Merlion, eine Kreatur mit Löwenkopf und Fischkörper. Ansonsten scheinen viele asiatische Städte so schnell gewachsen zu sein, dass sie den Platz dringend brauchten und die alten Gebäude einfach wieder abgerissen haben. Vielleicht sind sie auch nicht so sentimental mit ihren alten Häusern?

Merlion

In den Städten hier dominieren eher moderne Wunderwerke, z.B. die Petronas Towers in Kuala Lumpur. Singapur hat auch ein paar bauliche Meisterleistungen zu bieten. Ein Teil der Stadt auf dem einige der besten Hotels stehen wurde aufgeschüttet, um mehr Land zu gewinnen. Auf diesem Gelände stand auch unser empfehlenswertes Hotel, das Pan Pacific, gleich neben dem Singapur Flyer, dem größten Riesenrad der Welt. Wir haben keine Fahrt gemacht, denn aus dem 70. Stock der Bar des Swiss Hotels hat man einen besseren Blick auf die Stadt. Bei Cocktails haben wir den Sonnenuntergang genossen.

Singapur Flyer

Mit 4,8 Millionen Einwohnern ist Singapur eine eher kleine Stadt. Ich habe sie mir etwas größer vorgestellt und war ganz überrascht, wie übersichtlich die Stadt ist. Jakarta mit 8,6 Millionen Einwohnern in der Stadt und 24 Millionen in der Metropolregion ist eine andere Dimension.

Wohnen in Singapur

Singapur ist ein Mix aus vielen Nationen und Einflüssen. Das Denkmal zum Ende der japanischen Besatzung zeigt die vier größten Ethnien in Singapur. Ca. 75% sind Chinesen, 15 % Malaien, 8 % Inder und der Rest sind Minderheiten wie Gastarbeiter und Expatriates. Das Denkmal wird scherzhaft auch die four giant chopsticks (vier gigantischen Stäbchen) genannt. Sie leben sehr friedlich nebeneinander auch wenn eine Mischung kaum stattfindet, allein schon aus religiösen Gründen.

Denkmal und das 70-stöckige Swiss Hotel

Wie in Kuala Lumpur wurde auch hier eine Stadtrundfahrt angeboten bei der man überall aussteigen und einfach wieder in den nächsten Bus einsteigen kann. So haben wir einen Stopp in Chinatown gemacht, das zum Chinesischen Neujahr überall dekoriert war. Auf dem Markt gab es auch alles zum Fest. Besonders interessant fand ich die Süßigkeiten, die auf großen Tischen angeboten wurden. Weiche Kugeln, wahrscheinlich aus Reisstärke, mit einer Fruchtfüllung. Ich habe meinem Büro gleich eine Tüte mitgebracht, die prima ankam🙂

Chinatown zum Neujahrsfest

Essstäbchen in jeder Farbe

Während das Chinatown für uns noch normal war, war das Little India etwas Neues. Auf einmal sah man im Straßenbild nur noch indische Menschen mit dazugehöriger landestypischer Kleidung. Da für Inder Gold eine hohen Stellenwert hat, findet man hier auch besonders viele Geschäfte, die Goldschmuck an- und verkaufen. In diesem Stadtteil steht auch noch ein alter Tempel. Im Hintergrund ein Block mit Sozialwohnungen. Die Regierung stellt große Wohngebäude für die ärmeren Schichten zu Verfügung, da sie sich sonst ein leben in dieser Stadt niemals leisten könnten. Aus diesem Grund sieht man auch keine Armut auf der Straße. Auch wenn das BIP/Einwohner 35.000 USD entspricht, gibt es auch in Singapur arme Menschen.

Hindutempel

Der malaiische Stadtteil wird vom Islam dominiert. Hier stehen viele Koranschulen und auch eine große Moschee mit goldener Kuppel. Neben diesen besonderen Stadtteilen, gibt es auch weite Flächen mit großen Wohnblöcken.

Koranschule

Insgesamt ist Singapur eher eine Touristenstadt. Die meisten Hochhäuser im Zentrum sind Hotels und das Angebot an Restaurants ist gigantisch. Es gibt einen großen Komplex für Ausstellungen und Theater. Und es gibt Sentosa. Das ist eine vorgelagerte Insel auf der viele Freizeitparks stehen und seit neuestem auch ein Casino. Als kleiner Stadtstaat sucht Singapur ständig nach neuen Einnahmequellen und versucht nun auch in das Casinogeschäft einzusteigen mit Vorbild Macau.

Sozialwohnungen

Ich finde, die asiatische Vorstellung von Städtereise und Unterhaltung weicht etwas von der Europäischen ab. Wenn ich eine Stadt besuche möchte ich Kultur sehen. Alte Gebäude, das ein oder andere Museum und über die Geschichte der Stadt lernen. Natürlich möchte ich auch ein einem guten Hotel wohnen und die landestypische Küche genießen. Bei vielen Asiaten steht wohl mehr der Spaß im Vordergrund. Sie wollen unterhalten werden mit Shows und Parks. Außerdem sind viele der Spielsucht erlegen. Ich persönlich kann nichts mit Casinos anfangen, aber hier wird mir das immer wieder empfohlen. Die Eröffnung des neuen Casinos fand genau zum chinesischen Neujahr statt. Stundenlang haben die Menschen auf Einlass gewartet habe ich später gelesen. Ganz schön verrückt!

Neues gigantisches Hotel im Bau

Wir fanden die Stadt Singapur sehr schön. Der Kontrast zu Jakarta war natürlich enorm. Viel ordentlicher und sauberer. Allerdings muss ich an dieser Stelle mal ein paar Gerüchte korrigieren. Es gibt in Singapur durchaus Müll im Strassengraben, aber es ist einfach nicht so viel wie in anderen Städten. Auch Kaugummiflecken habe ich auf den Bürgersteigen gesehen. Insgesamt ist schon alles deutlich stärker reguliert, z.B. gibt es unzählige Markierungen auf den Strassen, die klären wo man fahren, parken und wo man nicht stehen darf. Es gibt sogar Schilder für Fußgänger, die einem die Richtung zur nächsten Ampel weisen mit der man die Strasse überqueren kann, wenn der Fußweg endet. Allerdings bezweifle ich, dass es genug Polizisten gibt, um die Regeln auch umzusetzen. So wie wir haben viele Leute die Strassen auch bei rot und ohne Ampel überquert. Interessant waren aber schon die vielen Überwachungskameras auf einigen öffentlichen Plätzen…

Überwachungskameras

Während der drei Tage die wir in Singapur waren wurden gerade das chinesische Neujahr und der Valentinstag gefeiert. Die beiden Feste fielen dieses Jahr auf den selben Tag. Deshalb war die Stadt eher ruhig und hauptsächlich von Touristen dominiert. Am Neujahrstag wurde an vielen Stellen Drachentänze aufgeführt. Akrobatische Darbietungen mit tollen Kostümen!

Drachentanz

Der Legende nach wurden durch rote Farbe und laute Feuerwerke das Ungeheuer Nian vertrieben, das jedes Jahr zum Neujahr aus dem Meer auftauchte. Deshalb ist rot die Farbe des Festes und zu Mitternacht werden die Feuerwerke gezündet. Wir haben uns in Singapur allerdings gewundert warum wir das Feuerwerk nicht gesehen haben und sind dann etwas enttäuscht ins Bett gegangen. Jetzt habe ich die Erklärung gefunden: Feuerwerke sind in Singapur verboten!

Mandarinenbäumchen mit Glückskarten

Was aber typische zelebriert wurde, war der Brauch Mandarinen und Orangen zu verschenken. Mandarinen bedeuten Fülle und Orangen Glück. Wir bekamen ebenfalls welche von unserem Hotel. Zwei Stück, denn eine gerade Anzahl steht für Glück. Besonders beliebt ist die acht, eine Glückszahl. Dazu rote Umschläge in denen Geld verschenkt wird. Da neues Geld auch Glück bedeutet, herrscht ein paar Tage vorher ein unglaublicher Andrang bei den Banken, um alte Scheine in Neue zu tauschen. Z.B. in Hongkong werden deshalb jedes Jahr für ca. 1 Milliarde Euro neue Scheine gedruckt. Ein ziemlicher Aufwand, aber wenn es Glück bedeutet…! Ein bisschen abergläubisch sind sie, aber es war nett mitzufeiern und sich Glück zu wünschen. Im Jahr des Tigers können wir das Glück auch brauchen, denn es soll ein stürmisches werden…😉

Schattenspendender Bus

Ob wir Glück mit dem Wetter hatten, kommt auf den Standpunkt an. Die Sonne schien und es war heiß. Allerdings gibt es hier auch einen Glauben, dass das Wetter am chinesischen Neujahrstag den weiteren Verlauf der Regenzeit bestimmt. Wenn es kräftig regnet, ist die Regenzeit bald vorbei. Tja, in diesem Sinne hatten wir wohl Pech und mir stehen hier noch ein paar nasse Wochen bevor😉

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