Hilfe nach der Katastrophe: Thailand, Indonesien, Haiti, Afrika?

Posted on 2. Februar 2010. Filed under: Indonesien |

Nun ist es noch knapp eine Woche, bis Benjamin mich wieder besuchen kommt. Wenn man schon mal “in der Ecke” ist, sollte man auch die Gelegenheit nutzen, ein paar der anderen Länder zu bereisen. Allerdings dauert es Jahre bis man ganz Südostasien gesehen hat! Wir haben uns daher für ein nahes Ziel entschieden, in dem es nicht regnet. Puket in Thailand. In Indonesien ist gerade Regenzeit und deshalb etwas ungemütlich.

Wie die indonesische Westküste wurde auch Puket 2004 vom Tsunami heftig getroffen. In indonesischen Städten wie Banda Aceh stand nichts mehr und in Indonesien allein starben mehr als 200.000 Menschen. Bisher konnte ich Aceh noch nicht besuchen und weiß daher nicht wie weit es wieder aufgebaut ist. In Puket werde ich das nun erleben. Die Hotels sollen alle wieder stehen. Von meiner Freundin, die hier in Jakarta beim Roten Kreuz arbeitet, höre ich viel Gutes. Mehr noch, die meisten Organisationen haben sogar gewaltige Probleme, die damals erhaltenen Spenden auszugeben. Wenn man eine Spende für einen bestimmten Zweck erhalten hat, darf man sie auch nur dafür wieder ausgeben. Die Spendenbereitschaft für diese Katastrophe war gewaltig. Den Menschen konnte in jeder Weise geholfen werden. Allerdings war das Chaos bei der Wiederaufbauhilfe nach dieser gigantischen Katastrophe ebenfalls recht groß und so besitzen nun einige Menschen auf Sumatra mehrere Häuser. Die Organisation der Hilfe für ein so großes Gebiet mit so vielen Hilfsorganisationen war einfach schwer. Es war eine der größten Katastrophen seit einiger Zeit und deshalb auch für die Hilfsorganisationen eine Herausforderung. Für Haiti haben sie hoffentlich daraus gelernt und können nun sehr gezielt und koordiniert helfen.

Seit ich hier arbeite, habe ich privat viel Kontakt mit Mitarbeitern von Hilfsorganisationen. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ist in Indonesien z.B. stark vertreten. Ich habe so einen besseren Einblick in die Branche der Non-Profit Unternehmen bekommen. Der Markt ist nicht zu unterschätzen. Momentan lese ich ein sehr interessantes Buch:

http://www.amazon.de/Die-Goodwill-Gesellschaft-unsichtbare-Stifter-Spender/dp/3867740607

Meine Mutter hat es gekauft, da sie selbst eine Stiftung gegründet hat:

http://www.buergerstiftung-seeshaupt.de/index.html

Der Autor schreibt durchaus kritisch über die Probleme vieler Stiftungen. Wie die nach der Tsunami Katastrophe, haben auch viele andere Stiftungen ein Problem, ihre Gelder einzusetzen. Ist ein Stifter verstorben, kann man die Satzung nur noch schwer ändern. Viele Menschen, die in den Hilfsorganisationen arbeiten, würden ihre Gelder gerne anders verteilen. Durch die große Medienpräsenz wurde für Indonesien sehr viel gespendet. Allerdings geht es den Opfern nun wieder gut und das übrige Geld würde vielen Menschen in Afrika mehr helfen. Leider ist es gesetzlich aber nicht möglich. Deshalb werden nun sogar Kampagnen gestartet, in denen die Spender des Tsunamis angeschrieben werden und gefragt werden, ob ihre Spende auch für einen anderen Zweck benutzt werden dürfen.

Am Beispiel von Haiti oder Afrika kann man sehr gut erkennen, dass das Geld nicht immer dort landet, wo es am dringendsten benötigt wird. Haiti gehört zu einem der ärmsten Länder weltweit. Trotzdem hat es bisher vergleichsweise wenig Unterstützung bekommen.

Prozent der Bevölkerung die von weniger als 1 Dollar pro Tag lebt 2007-2008

Die Non-Profit Branche hantiert mit viel Geld. Laut dem Autor hat die Bill and Melinda Gates Stiftung jährlich einen größeren Etat als das UN Kinderhilfswerk. Daraus kann man die politische Macht einer Organisation ableiten.

Man muss sich aber auch die Struktur der Branche ansehen. Ganz unten stehen sehr viele kleinere und auch größere Organisationen, die die eigentliche Arbeit durchführen. Sie sind tatkräftig vor Ort und helfen den Menschen. Es sind auch meist die, die man als die Idealisten betrachtet. Diese Organisationen sind von der Zuteilung von Geldern der Staaten und großen Stiftungen abhängig, welche verschiedene Ziele haben. Die durchführenden Organisationen konkurrieren nun um diese Gelder und müssen natürlich auch das durchführen, was die Geldgeber im Sinn haben, damit sie später auch Gelder für ihre eigenen Projekte bekommen. Jede Stiftung hat einen bestimmten Fokus und auch die meisten Staaten haben Prioritäten gesetzt. Man kann nicht der ganzen Welt auf einmal helfen und das ist auch richtig. Anstatt jedem nur wenig Geld zu geben, konzentriert man sich lieber auf einen Bereich. Da liegt allerdings auch das Problem. Die Koordination untereinander fehlt. Bestimmten Ländern wird mehr geholfen als anderen.

Für die vielen kleinen Spender zu Hause ist es natürlich auch ein Problem, zu entscheiden, wohin sie ihr Geld spenden. Und so bekommen die mit dem größten “Marketing” auch die meisten Spenden. Die Opfer des Tsunamis waren wochenlang im Fernsehen, noch dazu nach Weihnachten und bekamen so das konzentrierte Mitleid der ganzen Welt. Entsprechend groß war die Spendenflut. Haiti passiert nun etwas Ähnliches. Man hat fast das Gefühl, es gibt einen Spendenwettlauf. Allerdings war Haiti vor dem Erdbeben für die Welt fast unsichtbar. Wie viele von euch haben bereits vorher Haiti geholfen? Haiti muss nun das Beste aus seiner Situation machen und die Gelegenheit nutzen, auch seine alten Probleme zu lösen, solange sie die Aufmerksamkeit bekommen. Vielleicht ist es jetzt die Chance auf eine bessere Zukunft. Die vielen Länder in Afrika werden jedoch wieder vergessen. Das Leid der Bevölkerung ist für den Westen nicht greifbar genug, nicht in der Bildzeitung auf Seite eins zu sehen und somit auch schwerer, Spenden zu generieren. Es ist eine traurige Situation und man kann nur hoffen, die reichen Staaten und Organisationen erkennen das Problem. Als privater Spender sollte man deshalb auch die Augen offen halten und sich informieren, wer das Geld wirklich brauchen kann und wie es eingesetzt wird.

Momentan setzen sich viele Stars für Afrika ein. Vielleicht steigt so die Aufmerksamkeit für den schwarzen Kontinent. Doch wurde auch schon Kritik laut. Der Bau eines Waisenheims von Madonna erscheint auf den ersten Blick sehr gut. Wenn die elternlosen Kinder aber bisher bei der Tante aufgewachsen sind und so in einem normalen sozialen Umfeld gelebt haben, fragt man sich, ob sie es in einem Waisenheim besser haben. Vielleicht wäre das Geld besser bei den Verwandten aufgehoben, damit sie das Kind ernähren können und zur Schule schicken können und nicht in das Waisenheim geben müssen, wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Erfolgreiche Hilfe ist nicht immer einfach und muss deshalb von erfahrenen Organisationen durchgeführt werden, die die Strukturen eines Landes kennen. Nichtsdestotrotz sollten wir nicht aufhören zu helfen.

Hilfe bedeutet nicht nur spenden. Aus meiner Sicht sollten wir vor allem im Alltag auf einen verantwortungsvollen Lebenswandel achten. Es gibt bereits Stimmen aus Afrika, die keine Spenden mehr aus dem Westen wollen. Warum das? Egal wie viel Geld man gibt, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Länder nicht ändern, wird sich langfristig nichts tun. Die westlichen Länder müssen Afrika eine Chance geben. Momentan sind sie abhängig vom Weltmarktpreis des Getreides, den wir im eigenen Interesse hochhalten und Importe sanktionieren. Sie sind Spielball der Grossen. Wenn geholfen wird, dann nur zu unseren Konditionen, um unsere eigene Wirtschaft zu schützen. Auch müssen wir die Regierungen der Länder drängen, ihre Korruption zu bekämpfen. Die Länder brauchen eine stabile politische und wirtschaftliche Grundlage, um sich selbst aufzubauen und mit dem Rest der Welt konkurrieren zu können. Deshalb finde ich es wichtig, dass wir in unserem eigenen Alltag bewusst leben und darauf achten, nur Firmen und Staaten zu unterstützen, die die 3. Welt nicht ausnutzen und klein halten.

Hier in Indonesien habe ich etwas Entscheidendes gelernt. Von mir wird immer erwartet, dass ich den 3-4 fachen Preis bezahle. Das sah ich erst als Abzocke und habe mich beschwert. Sie erwidern dann, dass ich doch so reich bin und mir das leisten kann. Und da haben sie auch Recht. Ich habe hier gelernt zu teilen. Der Westen ist wirklich reich und es sollte uns nichts ausmachen, nicht immer den günstigsten Preis im Supermarkt oder für unsere Kleidung zu bezahlen, damit auch die Ärmeren mitverdienen können. Es liegt in unserer Verantwortung, ihnen eine Chance zu geben. 

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