Kantine à la Indonesia

Posted on 25. Januar 2010. Filed under: Arbeit, Indonesien |

Jetzt zeige ich euch einmal, wie unsere indonesische Kantine aussieht. Hier wäre es praktisch, wenn das Internet auch Geschmäcker übertragen könnte. Aber darauf müssen wir wohl noch einige Jahre warten. Und deshalb fährt man ja ins Ausland, um etwas zu erleben. Wenn man frisch aus Deutschland kommt, kann man in dieser Kantine auch wirklich etwas erleben!

Speisesaal

Vorneweg: das Essen ist nicht so der Hit. Dafür ist es kostenlos. Jeder bekommt eine Mahlzeit pro Tag. Auch meine indonesischen Kollegen sind nicht so begeistert von der Kantine. Deshalb gehen wir oft auswärts essen. Das bietet auch etwas mehr Abwechslung.

Äußerlich ist sie wie jede andere Kantine auch. Kürzlich wurde sie renoviert und kann nun auch als Veranstaltungsraum inklusive Beamer genutzt werden. An den Wänden hängen unsere sechs Merck Werte. Sie wurden hier sehr toll umgesetzt und mit Handzeichen beschrieben, z.B. offene Hände symbolisieren Transparenz.

In der Kantine werden typisch indonesische Malzeiten serviert. Typisch Indonesisch sind auch Löffel und Gabel. Messer gibt es nicht. Auch keine Stäbchen. Diese stammen aus Nordasien. Gabel links, Löffel rechts. Dieser wird dann auch als Messer benutzt. Ganz schön knifflig wenn man das erste Mal einen Hähnchenschlegel zerlegt…

2 gekochte Enteneier

Begonnen wird wie bei uns mit einer Suppe. Hier kann das eine klare Gemüsesuppe sein oder Kokosmilch mit Curry gewürzt. Einmal habe ich auch eine Pfeffersuppe probiert. Sehr heftig! Als Einlage gibt es immer Gemüse, z.B. grüne Bohnen, Wasserspinat, Karotten, Kohl, Kartoffeln, rote Bohnen oder Glasnudeln. Für mich ziemlich ungewöhnlich war eine sehr wabbelige Rinderhaut. Bonne Appetit! Die habe ich nur anstandshalber probiert. In jedem Fall ist die Suppe scharf, was aber meine Kolleginnen nicht davon abhält, sie mit Sambal weiter zu verfeinern.

Rindfleisch mit grüner Chilisoße

Wie ihr auf dem Bild sehen könnt, kann man sich dann einen Teller aussuchen. Dieser hat drei Bestandteile: ein Teil Fleisch, Fisch oder Ei, ein Teil Tofu und ein Teil Gemüse. Dazu gibt es Krupuk, asiatische Reiscracker und eine Nachspeise, meist Obst wie Bananen, Melone oder Salak, die Schlangenhautfrucht.

Vorbereitete Teller mit Fisch gebraten (links) oder im Bananenblatt (rechts)

Die Teller sind alle bereits vorbereitet. Hinter der Theke befindet sich nur eine provisorische Küche zum Abspülen. Spülmaschine Fehlanzeige! Die Catering Firma bereitet das Essen außerhalb zu und bringt es dann in großen Truhen zu Merck. Dadurch ist es meist nicht warm, das Omelett sogar kalt. Das ist aber typisch Indonesisch. Da die Temperaturen so hoch sind, haben die Menschen wohl nicht das Bedürfnis nach einer warmen Mahlzeit. Außerdem wird einem bei dem scharfen Essen sowieso noch früh genug warm!

Kollegin mit Reistopf

Angeboten werden immer 3-4 verschiedene Gerichte. Die Beilagen sind bei allen gleich, nur der Fleisch- bzw. Fisch- oder Eiteil ist anders. Das kann Hühnchen in jeder Form sein, Rendang (scharfes Rindfleisch aus Padang), Omelett, gekochte Hühner- oder Enteneier, verschiedene Sorten Fisch (gebraten oder im Bananenblatt gekocht), Satai oder Instantnudeln. Auf den Bildern seht ihr ein Viertel Omelett, das auch ein paar Chilistückchen enthält, Catfish, Rendang und grüne Enteneier.

Catfish und eine extra Portion Tempeh

Als weitere Beilage auf dem Teller liegt oft Tofu. Entweder frittiert oder gebraten. Es ist erstaunlich, welche verschiedenen Formen und Geschmäcker Tofu annehmen kann. Eine häufige Beilage ist eine Scheibe Tempeh. Es wird ebenfalls aus Sojabohnen hergestellt, die durch Fermentation in eine feste Form gedrückt werden. Heute gab es sie klein geschnitten und mit Erdnüssen angebraten. Daneben seht ihr kleine getrocknete Fischchen. Ich esse meist nur einen, weil sie so extrem salzig sind.

Omelett, Tempeh (unten), getrockneter Fisch (links), Suppe und Krupuk

Eine andere beliebte Gemüsebeilage ist Wasserspinat, verfeinert mit Chilis. Manchmal gibt es gebratene Auberginen, Sojasprossen mit Glasnudeln oder Kartoffelwürfel. Alle mit Chilischeibchen. Wenn man ein Problem mit scharfem Essen hat, wird man sich in dieser Kantine schwer tun.

Becher mit Sambal, einer sehr scharfen Chilisoße

Die Größe der Portionen ist ein weiterer entscheidender Unterschied zu einer deutschen Kantine. Während ich in Deutschland oft schon vom Fleisch und dem Gemüse satt werde und nur eine kleine Sättigungsbeilage brauche, ist das Prinzip hier umgekehrt. Reis ist die Grundlage eines jeden Gerichts. Daher steht die Schüssel Reis bereits auf dem Tisch. Man nimmt sich dann so viel wie man braucht, um satt zu werden. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, das Fleisch ist nur zum Geschmack da. Viele geben dem Reis auch etwas Geschmack, indem sie ihn mit der Suppe würzen. Ich mische ihn immer mit Kecap Manis. Das ist eine süße Sojasoße und steht neben dem Becherchen Sambal auf jedem Tisch. Das Hühnchen besteht meist nur aus einem kleinen Schenkel oder dem Flügel. Ein großes Stück Brust gibt es hier nicht. Ich denke aber auch, dass unsere westlichen Hühner ganz schön groß gezüchtet sind. Das Stückchen Rindfleisch, dass ihr auf dem Bild seht, würden manche Männer auf einen Biss verspeisen. Hier muss man sich einfach anpassen und ein bisschen kleinere Bissen nehmen😉

Fertig zum Essen

Letztlich habe ich ganz erstaunt festgestellt, dass ich mich bereits an die kleinen Portionen gewöhnt habe. Sie erscheinen mir jetzt normal. Man isst bewusster. Als ich Weihnachten in der Darmstädter Kantine war und dort drei Scheiben Gans gegessen habe, war das wie ein gigantisches Festessen. Meine lieben Kollegen haben mich leicht belächelt. Ich kann aber nur sagen, würdigt eure Kantine, es geht auch anders!

Tablettabgabe

Einen interessanten Vorschlag für Deutschland kann ich aus meiner Erfahrung mit einer indonesischen Kantine noch machen. Nach drei Monaten wechselten auf einmal die Teller. Das Essen sah auch etwas anders aus. Als ich dann meine Kollegin drauf ansprach, erklärte sie mir, dass das jetzt eine andere Catering Firma wäre. Warum? War das Essen so schlecht? Nein, sie wechseln alle drei Monate, meinte sie. Ist doch klar, dass man Abwechslung braucht, sonst schmeckt das Essen immer gleich! Eine gute Idee für Deutschland?

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Tofu mit Geschmack? Wie machen die das?


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