Istiqlal Moschee

Posted on 14. Oktober 2009. Filed under: Ausflüge |

An einem der freien Tagen waren meine Eltern und ich auf Sightseeing Tour in Jakarta selbst. Dabei haben wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen wie das National Monument (Monas), das alte Jakarta – Kota, den Hafen, China Town, das National Museum und auch die Istiqlal Moschee.

"Traditionelles" Fortbewegungsmittel

"Traditionelles" Fortbewegungsmittel

Als erstes waren wir beim Monas. Natürlich waren wir nicht mit dem traditionellen Verkehrsmittel unterwegs, sondern hatten unseren Fahrer. Diese Pferdekutschen und auch die von Menschen gezogenen Wägen ähnlich Rikschas, sind in Jakarta inzwischen verboten. Nur in Parks und Städten wie Yogyakarta kann man sie noch nutzen. Sie sind den tausenden Mopeds und Autos gewichen. Auch in Yogya kann man sehen, dass die Rikschas nur noch von alten Männern gezogen werden, da die jüngere Generation auf die schnelleren Mopeds umgestiegen ist. Allein daran finde ich, kann man den Wandel, in dem sich dieses Land befindet sehr gut beobachten.

Das Monas ist ein um die 40 Meter hoher Turm mit einer Flamme und war eines der letzten Monumente die von Sukarno erbaut wurden. Es hat auch noch einen interessanten Spitznamen: Sukarnos letzte Erektion… wohl in Anspielung an das hinduistische Phallussymbol lingga.

Monument National

Monument National

Im Inneren des Fundaments befindet sich ein Museum, das die Geschichte Indonesiens in 48 Dioramen erzählt. Sehr interessant auch wie die Geschichte nicht ganz neutral dargestellt ist. An vielen Stellen der Geschichte hat man immer wieder den Eindruck, die Kolonialisten wären fast vertrieben, aber 10 Jahre später hatten sie Indonesien immer noch im Griff. Doch durch den Ausbruch des Pazifischen Krieges verloren die Niederländer schließlich Indonesien an die Japaner. Diese verloren dann 1945 den 2. Weltkrieg und so konnte Indonesien am 17. August seine Unabhängigkeit erklären.

Nach dem Museum hatten wir eigentlich geplant mit dem Aufzug auf die Spitze des Monas zu fahren. Leider war die Schlange so unglaublich lange und das Wetter zu heiß um die Treppe zu nehmen, dass wir das sein ließen. Auch war der Tag schon wieder voller Smog, also werde ich das ein ander Mal vielleicht mit Benjamin machen.

Neben dem Monas befindet sich Südostasiens größte Moschee. Ebenfalls von Sukarno 1978 erbaut. Sie verdeckt die Nationalkathedrale der Holländer aus dem Jahr 1901.

Istiqlal Moschee

Istiqlal Moschee

Bevor man die Moschee betritt, legt man seine Schuhe ab. Auch im Alltag betreten die Indonesier meist keine Wohnung mit Schuhen, v.a. wenn man zu Gast ist. Das habe ich auch schon bei meinem Hausmeister beobachtet. Eigentlich eine sehr angenehme Art, wenn man bedenkt wie so manche Handwerker bei uns die Wohnung betreten haben…

Das Hauptgebäude der Moschee ist von überdachten Gängen umgeben, ähnlich einem Kreuzgang in einem Kloster. Anders als in einem Kloster wurde hier ganz offen nach Geld gefragt. Als wir ein bisschen unsicher die Moschee betraten, wurden wir gleich von einem jungen Mann an einer Art Rezeption herangewunken und gebeten etwas für die Moschee zu spenden. Allerdings dauerte es etwas länger bis ich verstanden habe, dass er selbst jetzt auch noch gerne eine kleine Spende haben würde… Überall in der Moschee konnte man grüne Boxen sehen in die man spenden kann. Das System ist hier wohl etwas anders, denn es gibt keine Kirchensteuer wie bei uns. Die Moschee muss sich allein von Spenden finanzieren. Ich vermute große Anteile stammen von Arabischen Scheichs, die man hier auch hin und wieder sieht. Sie unterstützen den Islam in Indonesien stark. Viele Moscheen und Koranschulen sind von ihnen finanziert. Das kann man am orientalischen Baustiel erkennen hatte uns ein Guide einmal erklärt.

Weg in die Moschee - Man beachte den Wegweiser

Weg in die Moschee - Man beachte den Wegweiser

In den Gängen sahen wir immer wieder Schilder an der Decke mit der Aufschrift „Kiblat“. Wir kannten das Wort nicht und vermuteten, dass es so etwas wie Notausgang bedeutet. Später klärte uns ein Wächter auf, dass das die Richtung nach Mekka angibt. Logisch!

Zwischen Gängen und Hauptgebäude befindet sich ein großer Innenhof mit einem bestimmten Muster. Das Pflaster dient ebenfalls als Gebetsplatz, wenn die Moschee selbst zu voll ist. Gerade zu Idul Fitri wurde hier jeder Platz zum Beten genutzt. Selbst auf den Gängen wurden mit Klebestreifen die Reihen markiert, in denen gebetet werden kann. Das verdeutlicht den Andrang der zum wichtigsten Fest der Muslime herrscht. So viele Menschen kann man sich schwer auf einem Fleck vorstellen. Aber auch bei uns sind die Kirchen zu Weihnachten ja plötzlich sehr voll.

Innenhof mit passenden Fliesen

Innenhof mit passenden Fliesen

Im Inneren wurde einem die Größe der Moschee erst wirklich bewusst. Es müssen Tausende in den gewaltigen Saal passen. Sehr beeindruckend! Als wir dort waren, war sie allerdings fast leer. Füllte sich aber langsam, da wir kurz vor dem Mittagesgebet ankamen. Unser Fahrer wartete normalerweise draußen. Doch diese Gelegenheit lies er sich nicht entgehen und betete ein etwas verfrühtes Freitagsgebet.

Im Inneren

Im Inneren

Auf dem untersten Level einer Moschee beten die Männer. Ganz vorne steht ein Vorbeter, oft auch in einer Kanzel ein wenig erhöht. Da die Moschee so gewaltig ist, gibt es für die hinteren Reihen Fernseher, die Bilder von vorne übertragen. Auf den oberen Stockwerken an den Seiten beten die Frauen.

Seitliche Stockwerke für die Frauen

Seitliche Stockwerke für die Frauen

Besonders die Kuppel fand ich sehr beeindruckend. Sie ist mit Zitaten aus dem Koran verziert. In der gesamten Moschee findet man keine Bilder sondern nur Schrift. Der Islam verbietet die bildliche Darstellung. Deshalb verübten radikale Muslime wahrscheinlich auch die Anschläge auf den buddhistischen Tempel Borobudur, da dort Buddha und sein Leben in hunderten Bildern dargestellt ist. Das unterscheidet den Islam deutlich von anderen Religionen, die in ihren Gotteshäusern meist Heilige in bunten Gemälden und Statuen abbilden. Aber auch hier sind die Schriftzeichen in Gold gefasst.

Kuppel verziert mit Koranzitaten

Kuppel verziert mit Koranzitaten

Große Trommel

Große Trommel

Herumgeführt wurden wir von einem Wärter der uns anfangs gleich ansprach. Er erklärte uns auch eine lustige Tatsache. Die Moschee wurde von einem christlichen Architekten erbaut! Und er scheute sich nicht, uns von einem der oberen Level, die Kathedrale der Niederländer zu zeigen. Sie erschien geradezu klein im Vergleich zu dieser gewaltigen Moschee. Was er sich auch nicht scheute war, am Ende ebenfalls um eine kleine oder eher große Spende für sich zu fragen. Etwas dreist, aber er hatte uns ja auch die Moschee ganz nett gezeigt.

Holländische Nationalkathedrale

Holländische Nationalkathedrale

Danach ging es weiter nach Kota, dem alten Stadtteil Jakartas, auch genannt Batavia. Später besuchten wir dann das National Museum. Es hat eine tolle Sammlung an Statuen und einen beeindruckenden Goldschatz. Darüber hinaus stellt es die verschiedenen Kulturen der Inseln Indonesiens vor. Ich fand den Besuch zu diesem Zeitpunkt sehr lehrreich, da ich schon einiges über Indonesien weiß und nun die Bräuche besser zuordnen kann. Vieles habe ich auch schon einmal im Fernsehen gesehen, wie die Bestattungsbräuche der Bewohner von Südsulawesi, die ihre Toten in Felsnischen begraben und davor Puppen aufstellen, damit die Toten ein Gesicht haben. Oder den „Lendenschurz“ aus einem Kürbis, den die Männer auf Papua Neuguinea tragen. Mir kam es oft vor, als würden diese Kulturen weit weg von Europa am anderen Ende der Welt existieren. Doch plötzlich bin ich ihnen sehr nahe. Ich hoffe ich kann auf einigen Reisen noch etwas mehr von diesen Kulturen live sehen. Indonesien besteht aus unglaublich vielen sehr unterschiedlichen Kulturen. „Die“ Indonesische Kultur lässt sich kaum beschreiben. Und ich habe gerade erst die „Jakarta“ Kultur kennen gelernt :-) 

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