Ramadan

Posted on 8. September 2009. Filed under: Indonesien |

Seit gutzwei Wochen ist Ramadan. Die Muslimische Fastenzeit. Im Gegensatz zu unserer christlichen Fastenzeit gibt es hier sehr strenge Regeln. Tagsüber darf nichts gegessen oder getrunken werden. Nur wenn es dunkel ist. Hier geht die Sonne um 6 auf und um 6 Uhr abends wieder unter. Das bedeutet es wird um ca. 4 Uhr morgens aufgestanden, gefrühstückt und gebetet und danach wieder weitergeschlafen. Dementsprechend kommen einige Kollegen etwas später als sonst zur Arbeit. Da sie um 17.50 wieder essen dürfen gehen viele um 16-17.00 nach Hause damit sie pünktlich das Fasten brechen können. Es gibt nämlich einen Zeitplan der sich nach dem Mond richtet. Momentan kann man bei uns in der Arbeit überall „Schedules“ finden auf denen die genaue Uhrzeit angegeben ist, zu der entweder gegessen oder gebetet werden soll. Ein bisschen frage ich mich aber schon wie puenktlich sie sein koennen, denn jede Uhr geht hier anders… Auf jeden Fall wird in diesen vier Wochen Ramadan genau nach diesem Zeitplan gelebt. Ziemlich streng oder?!

Es gibt aber auch Ausnahmen fuer Kinder, Kranke und Alte. Wenn sie wollen finden sie auch immer eine Ausrede. Vor allem wenn man unterwegs ist, ist es gar nicht so einfach. Letzte Woche waren wir auf dem Weg in ein Restaurant und standen leider wie üblich im Stau. Als es dann 17.50 war, meinten meine Kollegen zu mir, dass sie jetzt eigentlich das Fasten brechen müssen. Als wir dann noch 5 Minuten am selben Fleck standen, stieg ein Kollege aus und kaufte an der Straße ein paar Flaschen Wasser. Damit konnten sie dann das Fasten doch noch brechen. Als wir im Restaurant ankamen, ist es während des Ramadan üblich, zuerst die Nachspeise, also etwas Süßes zu essen und dann zu beten. Also verschwanden die meisten Leute nach der Vor bzw. Nachspeise erst mal für ein paar Minuten. Danach wird dann richtig gegessen. Und das nicht zu wenig.

Wer nun meint während des Ramadan würde man abnehmen, liegt falsch. In der Fastenzeit soll man sich schon zurückhalten, nett zu den Mitmenschen sein und großzügig den Bedürftigen gegenüber. Man soll aber auch gut essen. Das gemeinsame Essen wird in dieser Zeit mehr zelebriert. Man kocht aufwendiger. Letzten Freitag waren wir z.B. mit unserem ganzen Stockwerk Sundanesisch essen, um die Gemeinschaft zu stärken. Das war sehr nett und ich habe wieder einmal festgestellt wie lustig und albern die Indonesier sein können. Da haben Chefs mit ihren Mitarbeitern ganz ungezwungen herumgescherzt. Das finde ich toll hier. Und so ist der Ramadan auch eine schöne Zeit in der man sich Tagsüber zurückhält und abends dann eine schöne Zeit mit Familie oder Freunden verbringt.

Produktions Controlling und Pharma Controlling :-)

Produktions Controlling und Pharma Controlling🙂

Die IS Kollegen

Die IS Kollegen

Wenn man den ganzen Tag nichts gegessen hat, isst man natürlich in der Zeit, in der man darf, deutlich mehr. Man kann jetzt darüber streiten, wie gesund es ist, den ganzen Tag nicht mal trinken zu dürfen v.a. bei diesen Temperaturen hier. Ich finde es beeindrucken wie viele Indonesier das durchhalten und so freundlich sind wie immer. Nachmittags werden sie dann schon ein bisschen langsamer, aber das kann man ihnen nicht verdenken. Inzwischen merkt man ihnen die Belastung aber schon an.

Auch wenn ich nicht mitmache beeinflusst der Ramadan auch mein Leben. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass der Berufsverkehr sich von 19.00 abends auf 16.00-18.00 verschoben hat, da jeder pünktlich um 18.00 zu Hause sein will oder früher um das Essen vorzubereiten. Dann ist natürlich später nichts mehr los wenn ich mich auf den Heimweg mache. Das ist sehr schön einmal ohne Stau nach Hause zu fahren!

Am Ende des Ramadans ist Id-ul-Fitr – das muslimische Weihnachten. Zwei Tage sind offiziell Feiertage und den Rest der Woche haben wir collective Leave, also nehmen alle Mitarbeiter Urlaub. In dieser Zeit fahren alle zu ihren Familien oder machen Urlaub. Mir wurde gesagt Jakarta wäre dann praktisch leer, da die meisten Indonesier von anderen Inseln kommen und nur zum Arbeiten nach Jakarta gekommen sind. Das kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen, dass Jakarta wirklich Stau-frei sein kann🙂 Inzwischen sollen alle Flüge ausgebucht sein. Ich werde in dieser Zeit hier bleiben, denn meine Eltern haben sich angesagt. Wir werden uns dann die näher liegenden Orte ansehen.

Anders ist es in der Arbeit. Momentan ist Planungszeit und wir bereiten unsere Budgets für nächstes Jahr vor. Das ist generell immer eine stressige Phase. Durch den Ramadan arbeiten die meisten Mitarbeiter aber etwas weniger als sonst. Das macht es für mich momentan schwierig Deadlines einzuhalten, wenn ich auf Andere angewiesen bin.

Der muslimische Kalender ist kürzer als unserer und so ist Ramadan jedes Jahr ein bisschen früher. Dieses Jahr Ende August bis Mitte September. Nächstes Jahr dann Anfang bis Ende August. Zusammen mit der Woche Idúl-Fitr sind das dann insgesamt fünf Wochen in der nur eingeschränkt gearbeitet wird. Dieses Jahr ist Ramadan zu einer Zeit im Jahr, in der bei Merck eigentlich mehr gearbeitet werden müsste. Aus vielen Studien kann man lesen, dass der Ramadan die Produktivität der muslimischen Länder stark einschränkt. Auch bei uns ist um die Weihnachtszeit nicht viel los. Manche Branchen haben mehr Geschäft wie der Einzelhandel, doch die meisten Firmen versuchen nichts Wichtiges in diese Zeit zu legen. Jetzt ist natürlich die Frage wie ein Mulitnationaler Konzern aus dem Westen mit dieser anderen Religion umgeht. Kann man in der Zeit des Ramadan die gleiche Leistung von einer lokalen Tochtergesellschaft erwarten?

Wenn man sich den Islam etwas ansieht, hat man bald den Eindruck, er kontrolliert das tägliche Leben sehr stark und viele Menschen sind sehr religiös. Was ich deshalb sehr überraschend fand, war dass eine Kollegin meinte: Ach, der Ramadan ist schon ziemlich kommerzialisiert heutzutage… Überall gibt es Angebote in den Restaurants, Supermärkten und allen möglichen Geschäften. In dieser Zeit ist jeder wieder gläubig. Und alles ist teurer. Das erinnert uns doch stark an Weihnachten oder?! So unterschiedlich sind wir wohl nicht.

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